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Alexander Fufaev

Zwillingserde-Gedankenexperiment

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Erde & Zwerde.

Bei Ausdrucken wie z.B. "Lebewesen mit Herz" und "Lebewesen mit Nieren" können zwei Sprecher verschiedene Intensionen kennen, also im unterschiedlichen psychischen Zustand sein, wobei der Ausdruck nur eine einzige Extension hat. Aber können zwei Sprecher, wenn sie einen Ausdruck benutzen, die gleiche Intension kennen, also im gleichen psychischen Zustand sein, obwohl der Ausdruck zwei verschiedene Extensionen hat? Das will Putnam in seinem Zwillingserde-Gedankenexperiment mit JA beantworten. Dazu versucht er zu zeigen, dass die zwei folgenden, meist leichtfertig angenommenen Behauptungen, nicht beide gleichzeitig gelten können:

  1. Intensionsgleichheit impliziert Extensionsgleichheit: 1 \[ I_A = I_B \Rightarrow E_A = E_B \] Wenn also ein Ausdruck \(A\) die Intension \(I_{A}\) sowie die Extension \(E_{A}\) hat, und ein Ausdruck \(B\) die Intension \(I_{B}\) sowie die Extension \(E_{B}\), und die beiden Intensionen sind gleich (\(I_{A} = I_{B}\)), dann folgt daraus, dass die beiden Extensionen ebenfalls gleich sein müssen (\(E_{A} = E_{B}\)).
  2. Gleichheit des psychischen Zustands ist äquivalent zu Intensionsgleichheit: 2 \[ Z_A = Z_B \Leftrightarrow I_A = I_B \] Wenn sich also ein Sprecher im Zustand \(Z_A\) und der andere Sprecher im Zustand \(Z_B\) befindet und ihre Zustände sind gleich (\(Z_A = Z_B\)), dann sind auch die Intensionen bezüglich eines Ausdrucks \(A \) gleich (\(I_A = I_B\)).

Die Gültigkeit beider Annahmen hat zur Folge, dass zwei Sprecher im gleichen psychischen Zustand bei der Verwendung eines Ausdrucks \(A\) sich stets auf die gleiche Extension \(E\) beziehen. Wenn sie also beispielsweise den Ausdruck 'Wasser' verwenden und sich dabei im gleichen psychischen Zustand befinden, dann meinen sie beide damit stets dieselbe Gesamtheit aller Wassermoleküle. Das will Putnam mithilfe seines Gedankenexperiments widerlegen. Dazu nimmt er die Gültigkeit der 2. Annahme an und zeigt die Verletzung der 1. Annahme. (Symbolisch: \(Z_A = Z_B \Leftrightarrow I_A = I_B \nRightarrow E_A = E_B\)).

In seinem Zwillingserde-Gedankenexperiment entwirft Putnam folgendes Szenario: Es existiere neben der Erde eine Zwillingserde (er nennt sie kurz 'Zwerde'), auf der alles exakt identisch ist wie auf der Erde: Gleiche Menschen, gleiche Natur, gleiche Sprache und so weiter. Es gibt jedoch eine einzige Ausnahme: Das Wasser auf der Zwerde hat eine andere molekulare Struktur (\(XYZ\)) als auf der Erde (\(H_2 O\)). Zu beachten ist jedoch, dass all die makroskopischen Eigenschaften beider Moleküle bei normalen Temperatur- und Druckverhältnissen exakt gleich sind, d.h. beide Wasserarten können von einem Zwerdling und Erdling gebraucht werden, ohne, dass die beiden im Geschmack, im Aussehen oder in einer anderen Eigenschaft einen Unterschied merken.

Da die Sprache beider Planeten identisch ist, benutzt der Zwerdbewohner den Ausdruck 'Wasser' genauso, wie der Erdbewohner den Ausdruck 'Wasser' benutzt.

Wenn ein Erdbewohner auf der Zwerde im Jahr 1970 landen würde, dann würde er das zwirdische Wasser ebenfalls mit 'Wasser' bezeichnen, weil er keinen Unterschied zum Wasser auf der Erde merken würde. Wenn der Erdbewohner jedoch ein Experte ist, könnte er umfangreichere Analysen des zwirdischen Wassers anstellen. Dann wird er merken, dass es nicht das gleiche Wasser ist wie auf der Erde. Aus seiner wissenschaftlichen Untersuchung, die im Jahr 1970 die Unterscheidung beider Wasserarten möglich machte, findet er heraus, dass das "Wasser auf der Zwerde" (kurz \(Wasser_Z\)) aus \(XYZ\)-Molekülen anstatt \(H_2 O\) besteht.

Es geht auch andersherum: Auch ein Experte von der Zwerde würde feststellen können, dass das "Wasser auf der Erde" (kurz \(Wasser_E\)) aus \(H_2 O\)-Molekülen anstatt \(XYZ\) besteht. Nun werden die Experten mit der Benutzung des Ausdrucks 'Wasser' aufpassen, weil \(Wasser_Z \neq Wasser_E \). Sie können dieses Wissen auch mit der normalen Bevölkerung teilen, sodass diese ebenfalls von dem Unterschied der beiden Wasserarten erfahren.

Nach Putnam ist für den Erdbewohner die Extension von 'Wasser', im Sinne von \(Wasser_E\): 3 \[ E_{E} = \text{Menge}~\text{aller}~\text{aus}~H_2O~\text{bestehenden}~\text{Gesamtheiten} \]

Die Extension von 'Wasser' für den Zwerdbewohner dagegen, im Sinne von \(Wasser_Z\): 4 \[ E_{Z} = \text{Menge}~\text{aller}~\text{aus}~XYZ~\text{bestehenden}~\text{Gesamtheiten} \]

Im Folgenden wird die Gültigkeit von 3 und 4 erstmal vorausgesetzt. Dann gibt es bis jetzt noch keinen Widerspruch. Für den Erdbewohner-Experten ist \(Wasser_Z\) einfach kein \(Wasser_E\) und für den Zwerdbewohner-Experten ist \(Wasser_E\) kein \(Wasser_Z\).

Putnam fragt sich nun: Was wäre, wenn es keine Experten gäbe, die den molekularen Unterschied beider Wasserarten feststellen könnten? Also reist er im Gedankenexperiment in das Jahr 1750 zurück, wo diese Bedingung erfüllt war. Kein Erd- und Zwerdbewohner wäre zu dem Zeitpunkt in der Lage, einen Unterschied zwischen den beiden Wasserarten festzustellen. Die Extension von 'Wasser' war laut Putnam auf der Erde und Zwerde aber weiterhin unterschiedlich: Wenn ein Erdbewohner \(Oskar_{E}\) den Ausdruck 'Wasser' benutzt, dann meint er damit nur die Extension von \(Wasser_E\) und sein Zwilling \(Oskar_{Z}\) auf der Zwerde meint nur die Extension von \(Wasser_Z\) und zwar, weil sie sich jeweils in einer Umgebung befinden, in der es entweder \(H_2 O \) oder \(XYZ\) gibt, aber nicht beides. Aufgrund der Nichtunterscheidbarkeit von \(Wasser_E\) und \(Wasser_Z\) müssen die beiden psychischen Zustände der Zwillinge gleich sein (\(Z_E = Z_Z\)). An dieser Stelle nimmt Putnam nun die Gültigkeit von Annahme 2 an: Da die beiden Oskars sich im gleichen psychischen Zustand befinden, müssen die Intensionen von \(Wasser_E\) und \(Wasser_Z\) gleich sein. Hieraus resultiert offensichtlich eine Verletzung von Annahme 1, da die Intensionen von \(Wasser_E\) und \(Wasser_Z\) gleich sind, nicht jedoch ihre Extensionen 3 und 4. Außerdem leitet Putnam ab, dass die Gleichheit des psychischen Zustands zweier Sprecher bezüglich 'Wasser', nicht die Gleichheit der Extension von \(Wasser_E\) und \(Wasser_Z\) impliziert. Und da die Extension einen Teil der Bedeutung ausmacht, schlussfolgert Putnam metaphorisch in seinem berühmten Satz "Bedeutungen sind nicht im Kopf", dass Bedeutung nicht durch den psychischen Zustand bestimmt ist.

Die Erklärung der Fachbegriffe und die Schwächen dieses Gedankenexperiments werden in der Arbeit 'Bestimmt der psychische Zustand die Extension eines Ausdrucks? (2019)' von Alexander Fufaev aufgezeigt.

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