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Alexander Fufaev

7 Prinzipien für eine perfekte Wissenschaftssprache

aus dem Bereich: Theorien
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Folgende Prinzipien helfen bei der Festlegung der einheitlichen, sinnvollen Begriffe und Symbole in der Wissenschaft. Je mehr Prinzipien ein Begriff erfüllt, desto besser.

Prinzip der Internationalität

Wenn es mehrere Begriffe fur ein physikalisches Phänomen gibt und einer ist international verständlicher, dann ist dieser Begriff vorzuziehen. Zum Beispiel ist "Refraktion" besser als "Brechung" in Hinsicht auf internationale Verständlichkeit.

Eine möglichst international ausgerichtete - d.h. das Prinzip der Internationalität erfüllende - Wissenschaftssprache wird für mehr Verständnis zwischen den internationalen Wissenschaftsgemeinden sorgen, z.B. während eines Auslandssemesters, wo die Vorlesungen in einer Fremdsprache gehalten werden. Außerdem ist die Erfüllung dieses Prinzips, ein wichtiger Schritt zur Entwicklung einer Weltsprache: Dadurch werden die nationalen Sprachen (metaphorisch: Funktionenfolgen) gegen eine internationale Sprache (metaphorisch: Limes) konvergieren. Stell Dir vor, wenn sich jeder auf der Welt versteht und das ohne Google-Ubersetzer!

Um dieses Prinzip zumindest teilweise zu erfüllen, müssen die nicht-internationalisierten Begriffe durch international verständlichere Fachbegriffe ersetzt werden. Diese Begriffe stellen dann die festgelegte Fachsprache dar. Die deutschen Alternativen können dagegen ausschließlich umgangssprachlich / deskriptiv benutzt werden. Im Folgenden werden die internationalisierten Wörter und Wortteile aufgeführt, sowie ihre umgangssprachlichen Alternativen:

  • Experiment
    statt Versuch
  • Approximation
    statt Näherung
  • Oszillation
    statt Schwingung
  • Mobilität
    statt Beweglichkeit
  • Thermo-, thermisch
    statt Wärme-
  • Konduktivität
    statt Leitfähigkeit
  • Resistivität
    statt Widerstand
    Besser als "Resistenz", weil analog zu "Konduktivität" und kann nicht mit der Definition der Resistenz aus anderen Wissenschaften vermischt werden. Außerdem ist der Begriff "Resistivität" besser als "Widerstand", weil dieser international verständlicher und passend zum Formelzeichen \(R\) ist.
  • Diffraktion
    statt Beugung
  • Refraktion
    statt Brechung

Prinzip der Sachbezogenheit

Ein Begriff sollte möglichst gut das Objekt / Phänomen physikalisch beschreiben. Statt also eine quantitative Größe mit einem physikalischen Phänomen / mathematischen Objekt zu bezeichnen, sollte der Begriff die Bezeichnung der quantitativen Größe beinhalten (leider auf Kosten der Kompaktheit). Dadurch wird aus der Bezeichnung beispielsweise sofort ersichtlich, worum es sich quantitativ handelt und beispielsweise welche physikalische Einheit die jeweilige Größe hat.

  • Beispiel 1: "Gravitationskraft" nicht als "Gravitation" bezeichnen.
  • Beispiel 2: "Reibungskraft" nicht als "Reibung" bezeichnen.
  • Beispiel 3: "Flächeninhalt" nicht als "Fläche" bezeichnen.

Prinzip der Eindeutigkeit

Ein Begriff sollte möglichst nicht in anderen Fachbereichen mit einer anderen Bedeutung bereits versehen sein. Zum Beispiel wird "Induktion" sowohl für "elektromagnetische Induktion" (physikalisches Phänomen) als auch für "vollständige Induktion" (mathematische Beweisführung) verwendet, die komplett unterschiedliche Dinge darstellen.

Das Prinzip der Eindeutigkeit impliziert auch, dass die Begriffe der Alltagssprache, die in der Wissenschaft eine andere(!) Definition haben, vermieden werden sollten.

Beispiel 1: In der Mathematik ist ein Faktor - ein Operand einer Multiplikation, also eine Zahl, die mit einer anderen Zahl multipliziert wird. Betrachte beispielsweise den folgenden Satzteil:
"Ein wichtiger Faktor fur das Nullresult war..."

Hier war ein ganz anderer Faktor gemeint, nämlich: Die Ursache, die das Nullresultat hervorgerufen hat! Sag besser stattdessen:
"Eine entscheidende Ursache fur das Nullresultat war..."

Damit wird die Verwirrung des Lesers bezüglich des nicht-mathematischen Begriffs "Faktor" vermieden. Natürlich ist die Vermeidung der Alltagsbegriffe nicht immer möglich, was in Missverständnissen beim Lernen resultiert, wie das im folgenden Beispiel zu sehen ist.

Beispiel 2: Unter dem Begriff "Kraft" verstehen wir in der Alltagsspracheeine Eigenschaft unseres biologischen Körpers. Derartige Sätze werden im Alltag benutzt:

"Wer regelmäßig ins Fitnessstudio geht, hat dementsprechend mehr Kraft."
"Muskulöse Typen haben viel Kraft in den Armen."
"Du hast überhaupt keine Kraft!"

All diese Alltagssätze haben nichts mit dem physikalischen Begriff der Kraft zu tun! Die Alltagsdefinition und physikalische Definition der Kraft sind völlig unterschiedlich und trotzdem sind es gleiche Bezeichnungen. Es gibt sogar noch andere Bedeutungen des Kraftbegriffs, wie zum Beispiel die Kraft im übertragenen Sinne:
"Sie war die treibende Kraft für das Wachstum."

Auf diese Weise können sich ganz leicht falsche Vorstellungen bei den Lernenden entwickeln, was am Ende in der mentalen Einstellung "Ich hasse Physik" resultiert. Aus diesem Grund ist die Einhaltung des Eindeutigkeitsprinzips enorm wichtig!

Prinzip der Kompaktheit

Eine kürzere Benennung ist grundsätzlich leichter zu merken und schneller zu schreiben / tippen. Zum Beispiel ist "Wirkungsquantum" gegenüber "Plancksches Wirkungsquantum" vorzuziehen. Insbesondere, weil "Plancksches" keine nützliche physikalische Information beinhaltet.

Um zwei verschiedene Notationen 1 und 2 auf die Schnelligkeit beim Schreiben / Tippen zu untersuchen, reicht es die Notation 1 Zehn Mal, sowie Notation 2 Zehn Mal auf Zeit zu schreiben / tippen. Diejenige Notation, welche innerhalb kürzester notiert wurde, gewinnt. Damit hat sie bezüglich des Aspekts "Schnelligkeit" eindeutig die Nase vorne.

Im Gegensatz zu einer mathematischen Notation sind Begriffe leichter auf die Kompaktheit zu untersuchen. Es reicht die Anzahl der Buchstaben der konkurrierenden Begriffe zu zählen. Der Begriff mit der kleineren Anzahl an Buchstaben erfüllt besser das Prinzip der Kompaktheit.

Manchmal kann die Kompaktheit (ohne Verzicht auf etwas längeren, jedoch besseren Begriff) gewährleistet werden, durch die Einführung einer Abkürzung (hier als Kompaktform bezeichnet). Zum Beispiel kann "Photoelektrischer Effekt" abgekürzt als "Photoeffekt" bezeichnet werden, ohne, dass dabei der Eindruck entsteht, dass es sich um zwei verschiedene Phänomene handelt. Natürlich sollte "Photoelektrischer Effekt" nicht mit "XYZ-Effekt" abgekürzt werden, weil die beiden Begriffe nur ein wenig aussagendes Wort "Effekt" verknüpft. Dieses Problem ist beispielsweise beim chemischen Element "Antimon" und seiner Abkürzung "Sb" deutlich zu sehen.

Prinzip der Allgemeinheit

Eine Benennung sollte ein physikalisches Phänomen oder eine physikalische Größe allumfassend beschreiben. Zum Beispiel ist "Strahlungsdruck" gegenüber dem "Lichtdruck" vorzuziehen, weil der Vorsatz "Licht" nur den sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums suggeriert. "Lichtdruck" wär also angewendet auf Gamma-Strahlung eher unpassend.

Prinzip der Analogie

Ähnliche physikalische Phänomene oder Objekte sollten irgendeine sprachliche Ähnlichkeit aufweisen, um diese besser merken und sprachliche Analogieschlüsse ziehen zu können. Das Erfüllen des Analogieprinzips wird beispielsweise durch die Benutzung gleicher Endungen gewährleistet.

Beispiel:

  • Resistivität und Konduktivität
  • Hydrogenium und Calcium

Prinzip der Gebräuchlichkeit

Wenn es bereits etablierte gute Begriffe gibt, dann sollten sie bevorzugt werden statt neue Begriffe zu entwickeln.

Prinzip der Gebräuchlichkeit ist ein zeitabhängiges Prinzip, d.h. bei Umänderung eines gebräuchlichen Begriffs zu einem eher nicht gebräuchlichen, wird der nicht gebräuchliche nach einer bestimmten Zeit zu einem gebräuchlichen Begriff, weil sich die Menschen an diesen Begriff gewöhnen.

Gewichtung der Prinzipien

Manchmal können - bei Untersuchung mehrerer Begrife für eine Sache - die Prinzipien miteinander kollidieren. Begriff A könnte z.B. das Prinzip der Internationalität erfüllen aber im Gegensatz zu Begriff B - das Prinzip der Gebräuchlichkeit verletzen; während der Begriff B das Prinzip der Internationalität nicht erfüllt. Welches Prinzip sollte in diesem Fall bevorzugt werden? In diesem Fall müssen möglichst objektive und vor allem einheitliche Entscheidungskriterien entwickelt werden, damit die Entscheidung erleichtert wird und immer gleich fällt, ganz egal, wer den Begriff festlegt.

Dazu wird eine Gewichtung der Prinzipien eingeführt. Ihr maximaler Wert (größte Gewichtung) wird durch die Anzahl der Prinzipien definiert. Bei sechs vorhandenen Prinzipien ist die größte Gewichtung also 6. Durch die Einführung der Gewichtung ist die Subjektivität bei der Entscheidung von Begriffen nicht beseitigt. Denn für Person 1 ist Prinzip A wichtiger als Prinzip B, für Person 2 dagegen genau andersherum. Aus diesem Grund müssen weitere Prioritäten gesetzt werden, nach denen die Gewichtung vergeben wird. So eine Priorität kann beispielsweise "Globale Verständlichkeit" sein. Hier ist beispielsweise das Prinzip der Internationalität mehr gewichtet als das Prinzip der Kompaktheit. Bei der Priorität "Tempo" ist die Gewichtung genau andersherum. Es gibt natürlich noch weitere Prioritäten, die für die Wissenschaftssprache relevant sind.

Die Frage ist: Welche Priorität muss gesetzt werden, damit die Begriffsentscheidung einheitlich verläuft? Diese Frage kann auch nur subjektiv beantwortet werden, denn für die eine Person ist die "Globale Verständlichkeit" wichtiger als "Tempo" und für die andere Person andersherum. Um eine möglichst große Objektivität zu gewährleisten, müssen die Gewichtungen der einzelnen Prioritäten gemittelt werden.

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