Was sind Bedürfnisse und wie entstehen sie? | Ideenwerkstatt

Die Bedürfnisse haben eine enorme Auswirkung auf uns, die Gesellschaft, die Erde und sind der Urknall der Wirtschaft. Je größer die Weltbevölkerung, desto mehr Bedürfnisse gibt es; desto größer ist die Auswirkung.

Was ist ein Bedürfnis?

Bedürfnis - (auch Wunsch oder Verlangen) ist eine derivative Empfindung des Unglücks, ein Verlangen nach einem in Erfahrung gebrachten Gefühl oder Objekt der Begierde. Wobei die Gefühle (Emotionen) immer ein Objekt der Begierde oder etwas Immaterielles voraussetzen und deren glückliche Folge sind. Glückliche Folge, weil es nur Bedürfnisse nach glücklich machenden Empfindungen gibt!

Kategorien der Bedürfnisse nach Schwierigkeitsgrad

Bedürfnisarten nach Schwierigkeitsgrad
Visuelle Darstellung der Bedürfnisarten nach Schwierigkeitsgrad

Durch die ständige Entwicklung der nutzenstiftenden, neuen Erzeugnisse, sowie durch politische und natürliche Reformationen bzw. Revolutionen (und andere Phänomene) entstehen neue Bedürfnisse. Da diese Veränderungen nicht die ganze Erde, sondern nur eine bestimmte Region betreffen, werden die Luxus-, Kultur-, Existenzbedürfnisse unterschiedlich definiert bzw. relativ betrachtet. Für eine Person wäre eine Segeljacht ein Luxusbedürfnis, für die andere Person ist eine Luxusjacht noch nie erfahrungsgemäß begegnet, sodass sie gar nicht ein Bedürfnis nach Segeljacht haben kann. Wir können erst dann ein Bedürfnis entwickeln, wenn wir aposteriorisch das Objekt der Begierde erlebt haben. Beziehungsweise: die Priorität ist bei einem Individuum anders gesetzt. Nicht vorhandenes sauberes Wasser hat eine größere Priorität als eine nicht vorhandene Segeljacht. Bei der relativen Betrachtung, lassen sich manche Bedürfnisse in bestimmten Regionen in mehrere Kategorien einteilen.

Beispiel: Für einen Menschen aus einer trockenen Region in der dritten Welt ist Wasser sowohl ein Kulturbedürfnis, als auch ein Existenzbedürfnis. Diese Kategorienzuweisung würde aber nur lebende Menschen betreffen. Für die an Wassermangel gestorbenen Mitmenschen war das Wasser wohl kein Kulturbedürfnis, sondern ein Luxusbedürfnis (welches sie erfüllen mussten, weil es gleichzeitig auch ein Existenzbedürfnis war). Und Luxus kann sich nicht jeder leisten.

  • Aposteriorische Luxusbedürfnisse - sind nur für eine relativ kleine Gruppe der finanziell und politisch mächtigen Menschen zugänglich und entstehen nur aus der Erfahrung heraus. Für die eine Region ist ein Sportwagen Luxus, für die andere Region – eine Demokratie.
  • Aposteriorische Kulturbedürfnisse - können von einem Durchschnittsbürger befriedigt werden. In Deutschland wären das z.B. ein Auto, Urlaub oder ein Computer. Erst (normalerweise) durch die Befriedigung der aposteriorischen Kulturbedürfnisse werden Luxusbedürfnisse angestrebt.
  • Illusorische Existenzbedürfnisse - sind scheinbare Kultur- oder gar Luxusbedürfnisse. Sie sind nicht lebensnotwendig und weisen - aufgrund einer emotional-intensiven Gewöhnung - eine Sucht auf. Mach einen Versuch und verbiete z.B. deinem Sohn oder deiner Tochter das Internet, den Computer bzw. das Handy und schau auf die emotionale Reaktion. Oder verbiete in einem Staat wie Deutschland die Demokratie (wenn die Möglichkeit bestünde) und schau zu wie die Revolution dich stürzt. Dieses Verhalten bezeichne ich als emotional-intensive Habituation der aposteriorischen Bedürfnisse.
  • Konnatale Existenzbedürfnisse - können, relativ gesehen, sowohl Luxus- als auch Kulturbedürfnisse sein. Sie sind bei allen lebendigen Menschen vorhanden und sind ein Minimum des Bedürfnisbesitzes. (Zum Exempel: Verlangen nach Nahrung, Wasser und Sauerstoff). Sie zu erkennen ist nicht schwer: beim Scheitern der Befriedigung ist man tot; im wahrsten Sinne des Wortes. Deren Erfahrung wurde uns mittels physiologischen und geistigen Gegebenheiten aufgezwungen. Schon als Embryo bzw. Fetus - im Bauch der Mutter - konnten wir nicht entscheiden, ob wir Nahrung aufnehmen wollen oder nicht. Diese Erfahrung ist durch Evolution (oder was auch immer) für uns determiniert. Die konnatalen Existenzbedürfnisse sind sozusagen die aufgezwungenen aposteriorischen Bedürfnisse.

Emotionale Bedürfnisverarbeitung

Modell der emotionalen Bedürfnisverarbeitung
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Modell der emotionalen Bedürfnisverarbeitung

Dieses Modell soll das emotionale Verhalten der Bedürfnisverarbeitung eines geistig "gesunden" Homo sapiens darstellen. Da alle Bedürfnisse (außer die konnatalen) aposteriorisch sind, braucht der Homo sapiens das Wissen über etwas, was später zu seinem Bedürfnis werden kann. Dies können neue politisch-sozialen Möglichkeiten (Kindergeld, Wahlrecht etc.), eine neue technische Erfindung, durch Marketing erzeugtes Bedürfnis oder andere Dinge sein. Nach der Erlangung des Wissens und der Analyse wird das Bedürfnis in die "im Hirn vorhandene" Prioritätenliste eingetragen. Wenn dieses Bedürfnis in der Priorität-Rangliste weit oben steht, wird der Homo sapiens versuchen es zu erfüllen; es tritt zunächst und allmählich eine Mangelempfindung auf. Nun versucht er diese Mangelempfindung zu stillen; scheitert er dabei (oder stellt schon von Anfang an fest, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist), so tritt Frustration (Bedürfnisversagung) ein und er widmet sich einem anderen Bedürfnis aus der Prioritätenliste oder macht einen neuen Versuch. Das ganze Spiel fängt wieder von vorn an. Möglicherweise mit einem Symptom: Neid; aufgrund der Beobachtung der dieses Bedürfnis erlangten Mitmenschen. Wenn aber dem Homo sapiens die Bedürfnisbefriedigung gelingt, dann geht die Mangelempfindung in Euphorie über; meistens mit einem Nebeneffekt "Prahlerei", der z.B. vom Schwierigkeitsgrad der Bedürfnisbefriedigung abhängt. Die Prahlerei schwindet bei einem ebenfalls schwindenden "Euphoriespiegel", bis die beiden derivativen Empfindungen in Habituation (mit möglichen Rücksprüngen auf Prahlerei / Euphorie; bei Erinnerungen) übergehen. An dieser Stelle ist die Verarbeitung des Bedürfnisses abgeschlossen und kann mit einem neuen Bedürfnis aus der Prioritätenliste wiederholt werden. Es sei denn, man lässt das neue IPhone (als Beispiel) in der Bahn liegen und bekommt es nie wieder in die Hände. In diesem Fall tritt Abstinenz ein (der Verzicht auf ein vorher befriedigtes Bedürfnis), die in Frustration - mit einem Übergang in die nächste Bedürfnisbefriedigungsperiode – endet. Lebenszufriedenheit oder im Extremfall: Bedürfnislosigkeit, - eine Art Askese - tritt nur bei einem nicht zu der Mehrheit gehörenden Homo sapiens auf.

Periodische Bedürfnisbefriedigung

Horizontale Bedürfnis-Zeitdifferenz
Horizontale Bedürfnis-Zeitdifferenz anhand eines Beispiels.

Existenz-,Kultur- und Luxusbedürfnisse sind periodischer Natur. Bedürfnis nach Nahrung oder Wasser tritt öfter ein, als ein Bedürfnis nach neuem Handy, einem Auto oder gar nach irgendwelchen Luxusgütern. Daraus kann ich schlussfolgern, dass die Existenzbedürfnisse die größte Frequenz im Gegensatz zu Kultur- oder Luxusbedürfnissen besitzen müssen: \[ f_{E}>f_{K}>f_{L} {~oder~} t_{E}>t_{K}>t_{L} \] Je größer die Frequenz, also das Auftreten eines homogenen Bedürfnisses, desto stärker ist die Habituation und desto schwächer die Euphorie nach der Bedürfnisbefriedigung. Wenn ich also die Zeit zwischen den Mahlzeiten verlängere, müsste ich bei mir einen etwas höheren "Glückshormonenspiegel" konstatieren. Wenn ich den Urlaub in diesem Jahr auslasse, müsste ich mich auf den nächsten Urlaub (im nachfolgenden Jahr) noch mehr freuen. Diese "Abstandszeit" zwischen den gleichartigen Bedürfnissen bezeichne ich als horizontale Bedürfnis-Zeitdifferenz und die Frequenz als horizontale Bedürfnis-Frequenz. Die Frequenz setzt jedoch voraus, dass die Zeitdifferenzen gleich sind.

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