Was ist Kommunikation? | Ideenwerkstatt

Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung für soziale Interaktion, die den Homo sapiens evolutionär dominant gemacht und eine Tür für neues, intersubjektives Wissen geöffnet hat.

Was ist Kommuniktation?

Kommunikation - ist der bewusste und unbewusste, interpersonelle Informationsaustausch auf verbaler (auch nonverbaler) Ebene, welcher mit dem Wissen der Kommunizierenden, sowie nonverbalen Elementen verstärkt und charakterisiert wird.

Visualisiertes Modell: Kommunikation
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Modell der kommunikativ-interpersonellen Informationsverarbeitung

Sobald sich zwei oder mehrere Personen gegenseitig, sensorisch wahrnehmen, findet kommunikativer Informationsaustausch statt. Infolgedessen ist es sinnvoll, bei Kommunikation-Experimenten die Probanden – "von außen" – unbeobachtet zu lassen, denn sobald der Proband andere, nicht zum Experiment gehörende Personen sensorisch wahrnimmt oder das Gefühl bekommt von außen beobachtet zu werden, wird er sich anders verhalten.

Intention einer Kommunikation

James trifft Tom und teilt ihm verbal mit: "Ich habe heute einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt". Dabei hat er ein bestimmtes Bild vom Sonnenuntergang in seinem Gehirn abgespeichert. Er bedient sich der Sprache (als Teil des intersubjektiv-definierten Wissens), um diese Aussage seinem Gegenüber mitzuteilen. Dieser Anreiz wird von einer bestimmten Intention verursacht. Manche Intentionen lassen sich aus dem Kontext heraus erkennen, andere bleiben bei den jeweiligen Personen in Gedanken verborgen und werden aus bestimmten Gründen nicht kommuniziert; wobei bedacht werden muss, dass hinter jeder verbalen und nonverbalen Kommunikation eine Intention steckt. Ohne sie kommt keine kommunikative Interaktion zustande!

Nonverbale Kommunikation

Die mittels der Sprache formulierte und mit einer Intention ausgestattete Aussage über den Sonnenuntergang kann unter anderem mit Hilfe der nonverbalen Kommunikation verstärkt werden. Wenn man den Satz "Ich habe heute einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt", nicht nur verbal mit passenden Adjektiven formuliert, sondern auch mit den Emotionen, der Körperhaltung, dem Tonfall und anderen nonverbalen Mitteln versieht, so wirkt der Inhalt eines Satzes überzeugender; als ohne deren Verwendung. Welchen Einfluss eine einfache, vielleicht auch unbewusste Kopfhaltung auf die Interpretation des Kommunikationspartners haben kann, zeige ich dir im folgenden visuellen Beispiel. Wer übrigens mehr zum Thema Körpersprache wissen möchte, der kann sich dieses kostenlose E-Book herunterladen.

Beispiel: Kopfhaltung

Kommunikation: Kopfhaltung
Renaissancegemälde der Madonna: Kopfhaltung
(Forschungsergebnis von Prof. Siegfried Frey)

Wie du auf dem rechts abgebildeten Renaissancegemälde der Madonna sehen kannst, ist der Neigungswinkel des Kopfes, selbst ohne Änderung ihres Gesichtsausdrucks, ein entscheidendes nonverbales Element. Auf der einen Darstellung wirkt sie sehr bescheiden, auf der anderen eher egoistisch. Eine falsche Kopfhaltung und schon werden wir von fremden Personen als egoistisch identifiziert...

Filtration der Informationsflut

Bei der Filtration werden nicht nur sensorisch nicht-wahrnehmbare physikalischen Gegebenheiten (z.B. Teile des elektromagnetischen Spektrums) ausgefiltert, sondern auch jegliche Gehirnaktivitäten (z.B. Gedanken) des Kommunikationspartners. Sie sind vorhanden, aber wir können sie nicht sensorisch wahrnehmen, da sie aufgrund unserer biologischen Konstruktion ausgefiltert und für uns unzugänglich gemacht werden. Es soll angeblich Menschen geben, die diese Filtration der Gedanken umgehen können, sprich: Gedanken lesen können. Mit unserer Technik haben wir einige Bereiche des Universums für uns sichtbar gemacht und wer weiß; vielleicht werden wir eines Tages mit unseren Elektro-Enzephalogrammen auch Gedanken aus den elektrischen Impulsen entschlüsseln können. Die Zeit wird es zeigen!

Konzentration und Rekonstruktion

Nach der Filtrationsphase konzentriert sich Tom bewusst auf verbale Kommunikation von James und unbewusst auf nonverbale Kommunikation. "Ich habe heute einen wunderschönen Sonne....ang erlebt". "Bitte was?", fragt der Tom nochmal nach. In diesem Fall ist während der Rekonstruktion ein sogenanntes sensorisches Unverständnis entstanden; das heißt: das Fehlen von benötigten Informationen für die vollständige Aussage. Ohne Konzentration auf diese verbale Aussage, hätte Tom dieses Unverständnis überhört! (Hören ist nicht gleich zuhören!). Hier hilft es entweder den Abstand der Kommunizierenden zu verringern oder die Aussage lauter zu äußern. James rückt näher (ebenfalls nonverbale Kommunikation - Proxemik) und flüstert: "Ich sagte, dass ich heute einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt habe". "Achso, einen Sonnenaufgang", antwortet Tom kapierend. An dieser Stelle ist ein ähnliches, jedoch ein schwierigeres Kommunikationsproblem entstanden; ein sensorisches Missverständnis. Tom hat zwar alle Informationen erhalten, sie jedoch aus irgendeinem Grund falsch rekonstruiert. "Sonnenuntergang!", wiederholt James leicht verärgert. Endlich hat Tom die Aussage ordnungsgemäß verstanden und kann die Aussage in der Assoziationsphase weiterverarbeiten. Übrigens: Da sich die Schallwellen (Informationen) in der Luft (Kommunikationsmedium) mit einer endlichen Geschwindigkeit ausbreiten; und eine Aussage allmählich entsteht und ankommt (das zuerst Gesagte kommt schneller an, als das zuletzt Gesagte), geschieht Rekonstruktion einer Aussage ebenfalls allmählich und nicht sofort! (Dies könnte der Grund dafür sein, warum unsere Entscheidungen uns erst einige Millisekunden später bewusst werden.)

Assoziation

Beispiel: Assoziation
Beispiel: Assoziation eines Sonnenuntergangs von Tom und James.

Während der Assoziationsphase vergleicht Tom unbewusst oder auch bewusst die erhaltenen Informationen mit seiner Erfahrung. Tritt "Fall 2 der Assoziation" ein, d.h. die angekommene Information ist nicht in seiner Erfahrung zu finden, dann ist die Folge: ein Unverständnis. Dieser Fall würde bei Tom eintreten, wenn James seine Aussage mit dem Sonnenuntergang in einer Fremdsprache übermittelt hätte, die Tom nicht versteht. Möglicherweise hat Tom schon was von diesen Fremdwörtern gehört, kann ihnen jedoch keinen Zusammenhang mit der Welt zuordnen, weil ihm die nötige Definition bzw. Übersetzung der jeweiligen Fremdwörter fehlt. Da aber James den Satz in Toms Muttersprache geäußert hat, versteht Tom den Satz vollständig; deshalb tritt "Fall 1 der Assoziation" ein. Erstens - er beherrscht die übermittelte Sprache, zweitens – er hat schon mal einen Sonnenuntergang erlebt, ABER nicht denselben! Auch, wenn er denselben Sonnenuntergang erlebt hätte, würde die übermittelte Information nicht ausreichen, um die Assoziation desselben Sonnenuntergangs bei Tom hervorzurufen.

Paraphrasierung

Nach der Assoziationsphase folgt Paraphrasierung. Meiner Definition nach ist Paraphrasierung nicht nur eine sachliche Wiederholung der empfangenen Informationen. In dieser Phase werden unter anderem alle empfangenen Aussagen zu einem "Gesamtbild" zusammengefasst und versucht mit einem Sinn zu versehen (was will mein Gegenüber mir mitteilen?). Wenn wir das Problem des Lügens nicht hätten, dann könnten wir alle entstehenden Fragen dem Kommunikationspartner stellen und sicher sein, dass die Antworten nicht gelogen sind. Die Realität sieht anders aus.

Nach der sich im Gehirn stattgefundenen Paraphrasierung, kann der Homo sapiens diese Paraphrasierung verbal äußern; oder es auch sein lassen. Sie wird im Gehirn meistens unbewusst durchgeführt, kann aber beispielsweise durch das Hören einer Fremdsprache, für die man noch kein "Gefühl" entwickelt hat, bewusst gemacht werden; indem man das Empfangene – in Gedanken – in die eigene Muttersprache übersetzt. Nach diesem Prozess besteht die Möglichkeit sich der verbalen Paraphrasierung zu bedienen, um Missverständnisse, die aufgrund einer nicht korrekten Rekonstruktion oder Assoziation entstanden sein könnten, offenzulegen. Das heißt, rekonstruierte und assoziierte Informationen werden nach der Paraphrasierung wieder an die Person 2 (James) kommunikativ übertragen. Nach dem Erhalt und der Rekonstruktion, werden im nachfolgenden "Assoziationsmechanismus" von James, die eigenen Ursprungsinformationen mit den erhaltenen Informationen verglichen, um festzustellen, ob die Ursprungsinformationen richtig rekonstruiert und assoziiert wurden. Tritt "Fall 1 der Assoziation" ein, so stimmen die Ursprungsinformationen immer noch mit den zum zweiten Mal rekonstruierten Ursprungsinformationen überein. Ein Missverständnis ist also ausgeschlossen! Person 2 (James) müsste nur noch der Person 1 (Tom) Bescheid sagen, damit sie dies auch weiß. Tritt dagegen bei James "Fall 2 der Assoziation" ein, dann ist davon auszugehen, dass ein Missverständnis entstanden ist. Das heißt: etwas ist entweder bei Tom oder James während der Rekonstruktion bzw. Assoziation falsch gelaufen.

Ein offengelegtes Missverständnis (alle Kommunizierenden kennen es) setzt eine Bestätigung des Erstellers der Ursprungsinformation (James) voraus. Man kann nicht wissen, ob man die Ursprungsinformation auch so rekonstruiert hat, wie das Gegenüber es gemeint hat. Aus diesem Grund ist es ratsam sich der verbalen Paraphrasierung zu bedienen, damit die kommunizierenden Personen, jegliche Missverständnisse schnellstmöglich detektieren und eliminieren können.

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