Wie entsteht Identität und Gemeinschaft?

Die visuelle Darstellung des Modells habe ich so konzipiert, dass sie auch ohne der dazugehörigen Beschreibung zu verstehen ist. Jedoch rate ich dir, diese Beschreibung trotzdem als eine zusätzliche Hilfe zu benutzen, um das Verständnis zu erleichtern und Missverständnisse zu vermeiden. Bevor du aber mit dem Lesen der Beschreibung anfängst, schau dir zuerst die visuelle Darstellung an und versuche die Grundprinzipien zu erkennen. Während des Lesens der Beschreibung, gehe absatzweise vor und schau anschließend auf die Darstellung, um das Gelesene auch in der visuellen Abbildung zu erkennen. Was den Formalismus der Darstellung anbelangt: in grauer Schrift werden Beispiele dargestellt. Du kannst sie natürlich mit deinen eigenen ersetzen. Und gestrichelte Linie sagt aus, dass etwas eintreten kann aber nicht muss.

Im Modell wirst du neben meinen Neologismen auch allgemeine Fachbegriffe treffen (womöglich mit einer Modifikation). Ich versuche – was die Verwendung des bereits vorhanden Wissens anbelangt - nicht das Rad neu zu erfinden, sondern es zu optimieren und daraus die Entwicklung eines neuen Fortbewegungsmittels anzustreben.

Der Umfang des Modells ist recht klein; was jedoch ebenfalls nichts über den Wahrheitsgehalt und Effektivität aussagt. Meiner Ansicht nach, ist es einfach unnötig ein ganzes Buch über eine Weltgegebenheit zu schreiben und am Ende genauso viel zu wissen wie vorher; oder, um einen Gedanken zu übermitteln, den man auch in einem Satz oder einer einfachen Zeichnung übermitteln könnte. Nur damit es klar ist: wenn ich das ganze Universum verstehen will, dann kann ich es mir nicht leisten, zu jeder Weltgegebenheit ein ganzes Buch zu verfassen – dafür ist mein Leben viel zu kurz.

Die Qualität der Sprache, in der ich diesen Artikel verfasst habe, wird auch einen Einfluss auf Deine Einstellung zum Modell haben. Den einen wird sie mehr ansprechen, den anderen weniger. Genauso wie die Schönheit der Musik unsere Emotionen beeinflusst. Genauso wie wir einem weinenden Kind mehr Glauben schenken, als einem wütenden, welches sich nur darüber ärgert, dass seiner geäußerten Wahrheit nicht geglaubt wird. Ich bin mir gewiss – kein einziger Leser wird meine Arbeit schätzen, geschweige denn ernst nehmen, wenn ich sie mit Rechtschreibfehlern verfassen würde; was natürlich – insbesondere bei mir; einem Nicht-Muttersprachler – vorkommen kann. Sei dieser Tatsache bewusst; lasse dich nicht von Emotionen und Vorurteilen beeinflussen. Konzentriere dich nur auf den Inhalt; der übrigens mit vielen Beispielen versehen ist.

Welche Fragen kann dieses Modell beantworten?

Da die visuelle Darstellung – als Kernstück dieses Artikels – mittels meiner Gedankenexperimente entwickelt wurde, basiert sie nur auf meinen Erfahrungen und Hypothesen, die anschließend generalisiert wurden. Deshalb lässt es sich schwer beurteilen, ob meine Beantwortung der Fragen auch eine Zustimmung der Allgemeinheit erlangen könnte. Folgende Fragen ist dieses Modell in der Lage zu beantworten:

  • Wie entsteht subjektive Identität?
  • Wie entsteht eine Gemeinschaft?
  • Wie haben sich die Identitäten entwickelt?
  • Wie interagieren Identitäten miteinander?
  • Wo ist die Grenze unserer Moral?
  • Was macht uns individuell?
  • Und andere Fragen.

Identifizierungsmodell

Identifizierungsmodell
Identifizierungsmodell von Alexander Fufaev

Bevor ich imstande bin, die Identität modellkonform zu definieren, müsste ich mich zuerst der Analyse bedienen – meiner üblichen Vorgehensweise. Rechts siehst du das Ergebnis dieser Analyse, welches ich als Identifizierungsmodell bezeichnet habe. Da ich mich auf die Entstehung der Identität und der Gemeinschaft konzentriert habe, bitte ich dich beim empfohlenen Startpunkt anzufangen. Die graue Einrahmung ist übrigens die entstandene Gemeinschaft, mit der Bezeichnung "Islam".

Externe Identifizierung

Bei einer interpersonellen Kommunikation, aber auch bei einer einseitigen sensorischen Wahrnehmung, weisen wir - bewusst und unbewusst - unserem Gegenüber oder einer beobachteten Person, bestimmte Wesensmerkmale zu. Dieses Phänomen kommt bei einer interpersonellen Kommunikation ganz besonders zum Vorschein; bei der sich die Kommunikationspartner gegenseitig sensorisch wahrnehmen und gleichzeitig die Identifizierung des Gegenüber auch verbal äußern. James und Tom treffen sich. Tom scheint gestresst und wütend zu sein. Da James seinen Kumpel Tom lange kennt, weiß er, dass er nur die Toms jetzige Stimmung identifiziert. Ansonsten würde er möglicherweise die Persönlichkeit von Tom als depressiv und unberechenbar wahrnehmen, solange er keine verbale Auskunft von Tom bekommen hat. Wie du wahrscheinlich schon festgestellt hast: durch unseren verbalen und nonverbalen Auftritt beeinflussen wir die externe Identifizierung; also wie wir von unseren Mitmenschen wahrgenommen werden.

Relevantes Informationspacket

Im Fall von kommunikativer Interaktion senden die Kommunizierenden für die Identifizierung wichtige bewusste und unbewusste Informationen, die ich in einem Informationspacket (in der visuellen Darstellung) zusammengefasst habe. Sie sind essenziell für die Verarbeitung beim deren Empfänger.

Wie du siehst, enthält ein Informationspacket eine qualitative Autorität (siehe Autoritätenmodell). Sie sagt aus, wie relevant eine Person ist, die mich identifiziert. Ist es ein Fremder oder mein bester Freund, der mich beschimpft? Die Auswirkung der qualitativen Autorität auf die nachfolgende Verarbeitung der Identifizierung ist enorm bei der Bildung der persönlichen Identität.

Eine weitere wichtige Information, welche jedoch nicht unbedingt im erhaltenen Informationspacket enthalten ist, sondern eher in unserem Gedächtnis, ist die Häufigkeit der gleichartigen Identifizierung. Theoretisch lässt sich sagen: Je öfter ich als etwas identifiziert wurde, desto größeren Einfluss wird diese Identifizierung auf die Bildung meiner subjektiven Identität haben. Von Charakter zu Charakter kann diese Häufigkeit unsere Emotionen einer gleichartigen Identifizierung gegenüber, abschwächen (Habituation) oder intensivieren. Wenn James von einem Hater im Internet oft beleidigt wird, sprich - mit negativen Wesensmerkmalen identifiziert wird, dann kann er – abhängig von seiner Persönlichkeit – seine Emotionen dieser negativen Identifizierung gegenüber , abschwächen, weil er sich an sie gewöhnt hat; oder aber auch intensivieren, weil er sich alles zu Herzen nimmt. Das gleiche lässt sich auch auf positive Identifizierungen übertragen. Wenn James gelobt wird, kann er aufgrund der Habituation auf den Lob neutral wirken oder seine vom Lob ausgelösten Gefühle, verstärken. Der Hormonspiegel ist jedoch nicht unendlich steigerbar. Abschwächung und Intensivierung sind also begrenzt und können ineinander übergehen.

Neben der qualitativen Autorität und der Häufigkeit, ist die Art, wie mein Gegenüber nonverbal mit mir kommuniziert, entscheidend für die spätere Assoziationsphase. Welche Emotionen lassen sich konstatieren, wenn mich jemand identifiziert ? (Gegenseitige Identifizierung). Der Satz "Du bist ein sehr religiöser Muslim" ist zwar schriftlich neutral formuliert, kann aber auch umformuliert werden, um dem Muslim eher negative oder positive Eigenschaften zu verleihen. In einer mündlichen Kommunikation kann dieser Satz nicht nur umformuliert werden, sondern auch mit bestimmten Emotionen geäußert werden. Wird beispielsweise der obige Satz wütend und aggressiv ausgedrückt, dann kann und wird der Rezipient diese Identifizierung nicht mit positiven Eigenschaften assoziieren. Logisch oder?!

Das entscheidende Kriterium bei der Beurteilung der externen Identifizierung ist die Intention des Senders. Warum werde ich so identifiziert? Was will der Sender damit erreichen? Die wahre Intention zu kennen ist sehr vorteilhaft. Das Problem ist jedoch: der Kommunikationspartner ist meistens so stark von Emotionen beeinflusst, dass er nicht mal selber weiß, warum er so identifiziert oder einfach bewusst bzw. unbewusst die Intention vorgaukelt, wenn ich ihn danach frage. Wenn mein bester Freund mich beschimpft, also mich sehr negativ identifiziert, jedoch mit dieser Aktion und ohne meines Wissens, die Absicht hat, mich zu verarschen, dann werde ich natürlich darauf ganz aufgebracht reagieren, da ich nicht weiß, dass es sich nur um einen Streich handelt.

Summa summarum: externe Identifizierung ist ein Rohstoff für unsere subjektive Identität. Nicht nur unsere Gene machen uns zu dem, was wir sind; sondern auch Menschen, die uns als etwas identifizieren. Um diese These unter Beweis zu stellen, könnte man eine Person mit vollständiger Amnesie beispielsweise einer anderen Kultur aussetzen und schauen, ob deren Persönlichkeit sich anders entwickelt. Dabei ist es wichtig die jeweilige Person nicht in der gleichen Umgebung (Kultur, Freunde, Familie etc.) zu lassen, da sie extern meistens genauso identifiziert wird, wie vorher. Es würde sich theoretisch die gleiche Persönlichkeit entwickeln. Psychosen würden bei der Verifikation dieser These nicht vollständig mit genetisch bedingten Gründen zu rechtfertigen sein.

Identitätskonflikt

Identitätskonflikte entstehen, wenn gegenseitige externe Identifizierungen negativ sind und auch auf beiden Seiten negativ assoziiert werden. Es ist die Nichtkonformität der jeweiligen Identitäten in bestimmten Punkten; oder einfach eine gleichartige Reaktion auf eine Identifizierung. Der erste Fall ist beispielsweise auf das Christentum und den Islam übertragbar. Die Christen glauben an Jesus, die Muslime an Allah. Der zweite Fall, also die gleiche Reaktion auf Identifizierung, war beispielsweise im Kalten Krieg das Motto. Es hieß: "Wie du mir, so ich dir." Identitätskonflikte sind die Auslöser der Kriege, Feindschaften und anderer Freveltaten.

Informationspacket: Verarbeitung

Nach dem Erhalt des Informationspackets wird es bewusst und unbewusst verarbeitet. Welche Informationen aus dem Informationspacket sind mir bekannt und welche nicht? Bei "zusätzlicher Information" , werden alle für die Assoziationsphase relevanten, verwertbaren Informationen und Formulierungen festgehalten. Wenn man der Aussage "Du bist ein sehr religiöser Muslim" noch einen weiteren Satz "Ihr seid doch alle gleich!" hinzufügt, dann verwandelt sich plötzlich eine neutrale in eine eher negative Äußerung und somit auch in eine negative Identifizierung der Identität "Muslim".

Assoziation

In der Assoziationsphase wird eine bestimmte externe Identifizierung, in unserem Fall: "Du bist ein sehr religiöser Muslim", unter Berücksichtigung des Informationspackets, mit positiven, neutralen oder negativen Eigenschaften assoziiert. Bei der Übermittlung der obigen Aussage in einer wütenden und aggressiven Art und Weise, ist es für den Rezipienten offensichtlich, dass sie mit einer negativen Identifizierung behaftet ist. Dementsprechend werden negative Wesensmerkmale bzw. Vorurteile gegenüber Muslimen normalerweise unbewusst aus der Erfahrung abgerufen. Die unbewusste Assoziierung lässt sich leicht überprüfen, indem man die Reaktion (Emotionen, Formulierung etc.) des Rezipienten auf die obige Aussage, anschaut. Reagiert der Empfänger des Informationspackets genauso aggressiv, dann spürt er den Angriff auf seine Identität "Muslim" und identifiziert zugleich den Kommunikationspartner als islamfeindlich. Es ist also klar, dass der Muslim die Aussage nicht mit positiven Merkmalen assoziiert hat.

Subjektives Identitätsideal

Subjektives Identitätsideal enthält alle unsere Wünsche; wie wir sein und welchen Identitäten wir angehören wollen. Aus der Umwelt (als Sammelsurium mit Idealen) greifen wir einige dieser Ideale heraus und erwarten anschließend von der Umwelt, dass sie diese selektierten Ideale in uns wiederfindet. In der Berufswelt werden von den Homo sapiens selektierte Berufsidentität (z.B. Lehrer) von einer Institution (als Teil der Umwelt), mit Hilfe einer Urkunde bestätigt. Ob wir uns danach selbst als Lehrer identifizieren, ist eine andere Frage. (Dazu später mehr). Wobei noch eine wichtige Sache beachtet werden muss: von der Kindheit an, werden uns einige Identitätsselektionen aufgezwungen. In Deutschland gibt es beispielsweise eine Schulpflicht. Den Kindern und Jugendlichen bleibt es also nichts anders übrig, als die Identität "Schüler" für eine bestimmte Zeit anzunehmen; ansonsten wird man aufgrund der Nichteinhaltung der substanziellen Gemeinschaftsidentität – je nach Wesentlichkeit – unterschiedlich hart bestraft. (Zur Gemeinschaftsidentität und Bestrafung gibt es später mehr.)

Aufgrund der exogenen und endogenen Einflüsse ist unser Identitätsideal Veränderungen ausgesetzt. Als Kind wollte ich immer ein Astronaut werden; im Laufe der Zeit hat sich mein Ideal verändert; jetzt möchte ich Wissenschaftler werden. Die Erbanlage ist dabei nicht der Festleger von Schönheit und Hässlichkeit, sondern nur eine Vorlage des Aussehens. Außerdem liegen Schönheit und Hässlichkeit eines Homo sapiens nicht im Auge des Betrachters, sondern in den impliziten Festlegungen einer bestimmten Gemeinschaft. Hitler hat übrigens diese Festlegung der Schönheit sogar explizit gemacht, indem er arische Rasse definierte (Blaue Augen, blonde Haare etc.) und dadurch unter anderem Genozid auslöste.

Positive und negative Identifikation

Nach der Assoziationsphase findet ein meistens unbewusster Vergleich der externen Identifizierung mit dem subjektiven Identitätsideal statt. Eine positive Identifikation entsteht, wenn sie übereinstimmen. Eine negative Identifikation, wenn sie nicht übereinstimmen. Diese Tatsache kann man überprüfen, indem man sich eine bestimmte externe Identifizierung und das eigene Identitätsideal bewusst macht. Wenn also zu meinem Ideal die Identität "Wissenschaftler" gehört und ich von einem Homo sapiens solche Äußerungen höre wie "Aus dir könnte wirklich ein guter Wissenschaftler werden", dann weiß ich ja, dass die Identifikation eindeutig positiv war, weil sei mit meinem Wunsch, Wissenschaftler zu sein, übereinstimmt.

Auswirkung auf das Selbstbewusstsein

Die Übereinstimmung der externen Identifizierung mit unserem Identitätsideal hat eine Stärkung des Selbstbewusstseins zur Folge. Je stärker das Selbstbewusstsein, desto resistenter werden wir gegen externe Identifizierungen, die nicht mit unserem Identitätsideal übereinstimmen. Im Fall der negativen Identität dagegen, findet eine Schwächung des Selbstbewusstseins statt. Je schwächer das Selbstbewusstsein, desto anfälliger werden wir. Die Folgen – meiner Ansicht nach – sind Schüchternheit oder sogar Paranoia. Denn, dem Homo sapiens wird es plötzlich bewusst, dass er beobachtet und negativ identifiziert werden kann. Anders gesagt: Er hat Angst vor negativer Identifikation, ohne seines Wissens.

Austausch der positiven und negativen Identifikation

In einer interpersonellen Kommunikation können positive und negative Identitäten nonverbal ausgetauscht und wahrgenommen werden. Das Wissen, ob mein Kommunikationspartner eine positive oder eher eine negative Identität einnimmt, kann man durch geschickte Befragung erlangen. Man könnte ihn zum Beispiel fragen, ob er sich als Physiker sieht und vor allem warum? Während der Kommunikationspartner (als studierter Physiker) darauf antwortet, konzentriere dich auf seine nonverbale Kommunikation, insbesondere auf seine Emotionen. Antwortet er mit Enthusiasmus, dann ist davon auszugehen, dass er hauptsächlich positiv identifiziert wurde. Oder man könnte ihm eine etwas konkrete Frage stellen: Was sagen deine Freunde, Familie, Arbeitskollegen dazu, dass du ein Physiker bist? In diesem Fall könnte er sich eines der Kommunikationsprobleme bedienen und dich anlügen. In beiden Fällen kann man sich natürlich irren.

Interne Identifizierung

Nach dem Erhalt der Informationspackets, der Assoziation und dem Vergleich der externen Identifizierung mit dem subjektiven Identitätsideal, führen wir uns die Realität vor Augen. Je nach Stärke des Selbstbewusstseins, fangen wir an unserer subjektiven Identität (dazu später mehr) - im Fall der negativen Identifikation - zu zweifeln. Im Fall der positiven Identifikation dagegen, bestärken wir sie. Den größten Einflussfaktor auf die interne Identifizierung stellt dabei das erhaltene Informationspacket dar. Denn - die externe Identifizierung von einer fachkompetenten Person verinnerlichen wir mehr, als die von einem Unbekannten oder gar unserem Feind. Wir würden also die Identifizierung von unseren Berufskollegen bezüglich unserer Berufsidentität mehr verinnerlichen, als die Identifizierung unserer Berufsidentität von einem unbekannten Fußgänger. ABER! Wir verinnerlichen ALLES. Das Eine mehr, das Andere weniger.

Einbildung

Die externe Identifizierung, welche im Verlauf der Zeit die größte Dominanz gezeigt hat, bilden wir uns ein und empfinden sie als Tatsache. Einbildung ist meistens ein langwieriger Prozess, der bei einer einzigen externen Identifizierung normalerweise nicht eintritt. Es sei denn, es handelt sich beim Identifizierer um eine sehr große Autorität, z.B. eine Institution, die mich nach dem Studium in einer Urkunde als Physiker identifiziert. Aus diesem Grund erwarte ich, dass mich sowohl der Staat als auch die Mehrheit der Gesellschaft als Physiker identifizieren werden, wenn ich ihnen die Urkunde vorlege. Die Realität sieht aber anders aus. Es wird einige Menschen geben, die dich als Physiker nicht anerkennen werden. Passiert dies oft, dann entscheidet sich der Betroffene meistens für einen Berufswechsel. (Wechsel des subjektiven Identitätsideals).

Subjektive Identität

Alle Identitäten, die wir uns eingebildet haben, sind unsere subjektiven Identitäten; also das, als was wir uns am Ende sehen. Subjektive Identität beeinflusst die Selektion unseres persönlichen Identitätsideals. Wenn ich in der Schule gut in Mathe bin und mir der Lehrer ständig einredet, dass aus mir ein guter Mathematiker werden könnte, wird diese externe Identifizierung einen enormen Einfluss auf mein Identitätsideal haben. Es ist gut möglich, dass ich dadurch tatsächlich Mathematiker werde; oder zumindest in diesen Bereich gehe. Außerdem entscheidet unsere subjektive Identität, zu welchen Gemeinschaften wir angehören oder angehören dürfen.

Charakter ist der Teil subjektiver Identitäten, welcher sich rein adjektivisch beschreiben lässt und nur unser Verhalten betrifft, das in bestimmten Situationen zum Vorschein kommt.

Entstehung einer Gemeinschaft

Gemeinschaften entstehen, wenn Homo sapiens miteinander kommunizieren, ihre Erfahrungen, Ziele, Bedürfnisse austauschen und vor allem ihre subjektiven Identitäten kommunikativ miteinander vergleichen. Wenn bestimmte subjektive Identität der Kommunizierenden übereinstimmt und dabei keine enormen Konflikte innerhalb anderer Identitäten konstatiert wurden, dann bilden sie eine Gemeinschaft, die sich durch die übereinstimmenden Identitäten kennzeichnet. Diese Art der Identität bezeichne ich als substanzielle Gemeinschaftsidentität. Sie enthält also alle entscheidenden, gemeinsamen physischen und geistigen Merkmale der Mitglieder. Was macht diese Gemeinschaft aus? Worin unterscheidet sie sich von anderen gleichartigen Gemeinschaften? Nur die Substanz ist entscheidend! Denn – um als Mann bezeichnet zu werden, muss du biologische Identität eines Mannes erfüllen. Sie ist substanziell, denn ohne sie wärst du kein männliches Wesen. Nicht substanzielle Merkmale, solche wie geringer Haarwuchs, starke Emotionalität, keine Muskeln etc. würden dich nicht sofort zu einer Frau machen. Auch, wenn deine Beine aufgrund eines Unfalls amputiert werden müssen, wirst du zwar die Identität eines Behinderten annehmen, bleibst aber immer noch ein Mann; da die Beine kein Merkmal eines Mannes, sondern eher eines Menschen oder gar eines Tieres darstellen.

Verallgemeinerung ist also vollkommen berechtigt; man sollte nur die Merkmale verallgemeinern, die zu einer substanziellen Gemeinschaftsidentität gehören. In der Zeit der Globalisierung – während einer enormen Verflechtung der Kulturen (Multikulturalismus) und Abbau von Identitätskonflikten, weiß man jedoch nicht so recht genau, was eine Gemeinschaft (insbesondere auf nationaler Ebene) ausmacht.

Der Name der Gemeinschaft (z.B. Deutschland) stellt dabei das Mittel für Selbstreferenz und Reflexion.

Universalidentität

Universalidentität
Beispielhafte Aufspaltung der Universalidentität

Es gibt eine Identität auf der Welt, die außerhalb der Erfahrungswelt liegt und bei allen Homo sapiens, bei allen Tieren, sogar bei unbelebter Materie seit dem das Universum existiert, vorhanden ist. Ich habe diese allumfassende Gemeinsamkeit als Universalidentität genannt. Da aber der Inhalt des Universums ungleich ist, versuchen lebende Wesen (da nur sie dazu in der Lage sind) sich selbst in anderen Wesen zu finden, sich mit ihnen zu vereinigen und sie so zu behandeln, wie man sich selber behandeln würde. Theoretisch müssten wir alles in dieser Welt so behandeln, wie uns selbst. Unsere Moral jedoch fängt erst aber einer bestimmten Universalidentität-Aufspaltung zu gelten, in den meisten Ländern ab der Identität "Mensch". Bei Veganern erstreckt sich die Moral sogar bis zur Identität "Tiere". Aufgrund des exponentiellen Bevölkerungswachstums, wird zugleich der Verbrauch der Ressourcen viel höher, die Nahrung wir knapper, bis wir an den Punkt kommen, wo wir unsere Moral unter Beweis stellen werden müssen. Bei absoluter Moral werden wir eines Tages bei unzureichendem technischen Fortschritt – aussterben. Eine andere Möglichkeit wäre die Moral noch weiter zu reduzieren. Die Folge wäre: Kannibalismus.

Interaktion zwischen (Gemeinschafts)Identitäten

Die entstandenen Gemeinschaften sind nicht komplett voneinander isoliert, sondern sie interagieren miteinander. Meistens für den eigenen Nutzen (z.B. Globalisierung). Es gibt vier grundsätzliche Möglichkeiten der Interaktion: Inklusion, reversible Exklusion, Integration und Separation.

Inklusion – ist die gegenseitige Akzeptanz der Identitäten. Sie kann nicht auf Identitäten der gleichen Aufspaltungsebene angewendet werden. Es wird also keine Inklusion zwischen Deutschland und Türkei geben. Es wird auch keine Inklusion zwischen Apple und Microsoft stattfinden; solange substanzielle Gemeinschaftsidentitäten nicht miteinander übereinstimmen – und zwar komplett.

Integration – ist eine eingeschränkte Akzeptanz der Identitäten. Sozusagen - Duldung der anderen Identität. Dadurch wird z.B. Migration oder Urlaub in einem anderen Land möglich. Solange du beim Aussteigen aus dem Flugzeug seitens der Regierung nicht eingesperrt oder umgebracht wirst, kannst du dir sicher sein, dass deine Identität in die substanzielle Gemeinschaftsidentität des jeweiligen Urlaubslandes integrierbar ist. Isolation ist eine Sonderform der Integration. Bestimmte Menschen oder Gruppen isolieren sich innerhalb einer Gemeinschaft. Ein Verbrecher, der zuerst an der Exklusion gelitten hat , in dem er eingesperrt wurde, weil er gegen die substanzielle Gemeinschaftsidentität verstoßen hat, wird in die Gesellschaft, sobald er seine Strafe abgebüßt hat, reintegriert. Da seine unmoralischen Taten in Dokumenten festgehalten werden, wird der Betroffene von der jeweiligen Gemeinschaft meistens immer noch mit der Identität "Verbrecher" identifiziert, was natürlich eine Auswirkung auf seine subjektive Identität haben wird und dadurch auch auf die Entscheidung sich zu isolieren oder nicht. Man merkt an diesem Beispiel deutlich, dass die Identifizierenden sich oft auf vergangene Identität beziehen, obwohl der Mörder nach der Strafe wieder ein moralischer Mensch geworden ist. Isolation kann jeden von uns treffen, Ausländer, Senioren, Behinderte, Arbeitslose und andere von der Norm abweichende Individualitäten.

Exklusion – tritt ein, wenn nur eine der Parteien die Inklusion oder Integration verweigert. Warum ist die Türkei noch kein EU-Mitglied? Nun, einer der Gründe ist sicherlich der Zypernkonflikt. Die EU beinhaltet die substanzielle Gemeinschaftsidentität von Zypern, was für die Türkei ein Identitätskonflikt darstellt. Übrigens, nach der Machtergreifung der NSDAP im Jahre 1933, fand eine riesige Modifikation der deutschen Gemeinschaftsidentität statt. Plötzlich war arische Rasse und Antisemitismus ein Teil der deutschen substanziellen Gemeinschaftsidentität. Erst durch diese konkrete Definition einer Nationalidentität wurde Deutschland zum Inbegriff des Bösen. Die Formulierung an sich (blauen Augen, blonde Haare) ist ja gar nicht böse, aber trotzdem mündet diese Festlegung in Exklusion und Genozid der Andersartigen. In vielen Gemeinschaftsidentitäten herrschen immer noch Festlegungen, die uns gegenüber anderen Weltgegebenheiten rücksichtslos machen. Dazu gehört beispielsweise biologische, psychologische u.a. Definitionen eines Menschen, solche wie Sprache, aufrechter Gang und Verstand. Nicht die Sprache oder ein aufrechter Gang macht uns zu einem "besonderen" Wesen, sondern die Tatsache, dass eine Gemeinschaft sich immer für was besseres hält. Erst durch diese zwei Dinge, einmal die explizite Festlegung einer Gemeinschaftsidentität und zweitens, dieses arrogante Verhalten einer Vereinigung den Außenstehenden gegenüber, macht uns zu grausamen Wesen. Neueste Genforschungen zeigen, dass die Erfahrungen, die wir im Leben machen, unsere Gene prägen. Daraus kann man folgern: Homo sapiens, die während der Hitlerzeit die festgelegte Definition der deutschen Nationalidentität befürworteten, haben ein Teil dieser Erfahrung an ihre Kinder übertragen, was man heutzutage an der Auswahl der Bewerber in einigen Unternehmen deutlich zu spüren ist.

Separation – ist die vollständige Inakzeptanz der Identitäten. Eine Terroristengruppe akzeptiert eine Nation nicht, während die Nation diese Terroristengruppe nicht akzeptiert. Erst durch Separation eröffnet sich die Tür für die Rechtfertigung der Kriege, Konflikte, Feindschaften usw., indem man mit der Nichtkonformität beider Gemeinschaften argumentiert. Je größer die Unterschiede beide Parteien sind, desto mehr gibt es gegenseitig zu kritisieren.

Alle vier Möglichkeiten setzen das Wissen beider Parteien voraus, denn es ist beispielsweise nicht möglich in einer Gemeinschaft zu leben, während sie dich nicht akzeptiert. Sie wird dich erst gar nicht "hereinlassen". Da die Identität aber keinen absoluten Charakter besitzt und sich mit der Zeit unterschiedlich stark modifiziert, könnte es mal passieren, dass du aufgrund deiner erworbenen Individualität (dazu später mehr) gar nicht mit der substanziellen Gemeinschaftsidentität konform bist. Sobald die Gemeinschaft es erfährt, wirst du sie für eine bestimmte Zeit oder auch für immer verlassen müssen und zwar – rücksichtslos! Sie wird dir je nach Moral der Gemeinschaft Geldstrafen verhängen, dich abschieben, einsperren, foltern, hinrichten u.Ä.

Unterschied zwischen Identität und Individualität

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sowohl Identität als auch Individualität relativ sind und immer in Relation zur bestimmten Person oder Gemeinschaft stehen.

Neben vielen Gemeinsamkeiten, haben wir auch viele Unterschiede. Auf biologischer Ebene ermöglicht uns der sogenannte HLA-Genkomplex morphologische Variabilität. Auf geistiger Ebene unterscheiden uns unsere Erfahrungen von anderen, aber auch die Vielfalt der Identitäten, die wir im Laufe unseres Lebens freiwillig oder gezwungen annehmen. Innerhalb einer Gemeinschaft ist Individualität das, was von der substanziellen Gemeinschaftsidentität abweicht. Das was innerhalb einer Gemeinschaft individuell ist, kann in einer anderen Vereinigung Gemeinschaftsidentität darstellen.

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