Autorität | Ihre Entstehung und Auswirkung

Für das bessere Verständnis empfiehlt es sich, folgenden Artikel durchzulesen:

Autoritäten sind nicht einfach nur Leiter unserer Gesellschaft; sie sind auch die Festleger und Manipulanten unserer Gesetze, Meinungen, Einstellungen, summa summarum - unseres Wissens.

Was ist Autorität?

Autorität - (oder Machtgröße) ist ein relatives, immaterielles Gut, welches die Menschen dazu befähigt, die Handlungsfreiheit anderer Menschen zu manipulieren und zu kontrollieren. Sie verstärkt außerdem die durchsetzungskraft bei der Festlegung des intersubjektiv-definierten Wissens. Je größer die eigene Autorität und somit auch die persönliche Handlungsfreiheit, desto kleiner ist die Handlungsfreiheit der Kontrollierten und Manipulierten.

Hier ein Beispiel. Eine der Voraussetzungen, um bei Wikipedia etwas eigenes veröffentlichen zu können, muss das Material (z.B. eine Theorie) erst einen bestimmten Bekanntheitsgrad erlangen. Folgendes wird es nie auf eine Wikipedia-Seite schaffen:

[...]alle Theorien, Aussagen, Konzepte oder Methoden, die außerhalb der Wikipedia keine oder nur sehr geringe Resonanz in der jeweiligen Fachgemeinde gefunden haben.

Eingetragene, nicht empirisch belegte Wikipedia-Artikel basieren nicht auf ihrem Wahrheitsgehalt, sondern auf ihrer Sensation in der Gesellschaft; die besonders leicht auszulösen ist, wenn der Autor über eine große Autorität verfügt. An diesem Exempel ist deutlich zu sehen, dass die Autorität selbst bei der Festlegung des intersubjektiv-definierten Wissens – wo eigentlich nur der Wahrheitsgehalt entscheidend sein müsste - eine maßgebliche Rolle spielt.

Ich unterscheide zwischen einer qualitativen und einer quantitativen Autorität. Was diese Unterteilung aussagt, erfährst Du im folgenden Autoritätenmodell.

Visualisiertes Modell: Autorität
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Visualisierung des Autoritäten-Modells

Die Autorität ist kein festgelegtes, sondern ein variables Gut, das von Mensch zu Mensch und seiner Position in der Gesellschaft unterschiedlich ist.

Qualitative Autorität bezieht sich nicht auf die Menge, sondern entweder auf einen bestimmten Menschen oder eine Institution o.Ä. Diese Art der Autorität (aber auch die quantitative) besitzen laut dem Modell der Wissensproduktion sowohl subjektiv-explizites Wissen (W1) (z.B. persönliche Einstellung), als auch - je nach BilDungsgrad - ein Teil des intersubjektiv-definierten Wissens (W3). Beide Wissensarten werden an eine oder viele Personen sensorisch übertragen. Für einen Homo sapiens kann dieses übertragene Wissen - partiell, total oder überhaupt nicht akzeptabel sein.

Tritt partielle Akzeptanz ein, so wird nur ein bestimmter Teil des Wissens akzeptiert; und sonstiges – verworfen. Dies kann beispielsweise in einer Lehrer-Schüler-Beziehung stattfinden. Der Schüler nimmt nur das fachspezifische Wissen (W3) an, aber nicht unbedingt eine persönliche Meinung (W1) des Lehrers bezüglich eines anderen Bereichs. Besonders nicht, wenn dieser Bereich vom Schüler besser beherrscht wird, als vom Lehrer (z.B. Computerspiele), da in diesem Fall der Lehrer eine geringere und der Schüler eine höhere Autorität verspürt in Bezug auf Computerspiele. Autorität ist eine Art Aura, die erst durch deren Wahrnehmung sichtbar gemacht werden kann. Fehlende Wahrnehmung der Autorität ist eine mögliche Ursache der Respektlosigkeit.

Noch ein weiteres Beispiel der partiellen Akzeptanz, jedoch aus dem medizinischen Bereich. Wenn Du zum Arzt gehst, ganz egal, ob Du Dich unter das Messer legen willst oder Dir irgendwelche Medikamente verschreiben möchtest: In Deinen Augen ist der Arzt eine fachkompetente Person, der Du Vertrauen schenkst; also fügst Du Dich, nimmst sein intersubjektiv-definiertes Wissen an (Komplianz des Patienten); solange Du nicht unter Paranoia oder ähnlicher psychischer Krankheit leidest. Dies ist übrigens ein Dilemma: fügst Du Dich nicht, so wirst Du gleich als ein psychisch Kranker, Außenseiter, Rassist o.Ä. abgestempelt. Also fügst Du Dich lieber... Den meisten Menschen ist es aber nicht bewusst, dass sie von einer höheren Autorität kontrolliert und manipuliert werden können. Mangelndes Wissen, fehlende Skepsis und großes Vertrauen sind also die möglichen Ursachen der Unterwerfung!

Neben der partiellen kann auch eine totale Akzeptanz des Wissens auftreten. Erst durch physische Gewalt und/oder ordentliche Gehirnwäsche ist der Mensch dazu bereit alles Geistige anzunehmen, was ihm der Souverän vorgaukelt. Dieser Inbegriff der Vergöttlichung ist zum Exempel in einigen Sekten (z.B. Peoples Temple) und in fundamentalistischen Gemeinschaften anzutreffen. Derartige Akzeptanz der Gehirnwäsche des Souveräns ist selbst in diktatorischen Regimen aufgrund der Aufstände nicht leicht umzusetzen. Generell lässt sich zur Autorität sagen: Sie ist zeitlich und örtlich beschränkt. Überführt man diese Feststellung an ein "Diktator-Beispiel", so konstatiert man, dass der Despot weder ewig regieren (zeitliche Beschränkung), noch Soldaten eines anderen Staates – gewaltfrei - kommandieren (örtliche Beschränkung) kann.

Bei der Inakzeptanz – wie der Name schon sagt – akzeptieren Personen subjektiv-explizites und/oder intersubjektiv-definiertes Wissen der höheren Autorität nicht. Die Gründe können sein: großes Wissen, Skepsis, Misstrauen, Feindschaft etc.

Bei einer Gemeinschaft wirken die Autoritäten jedes Mitglieds additiv. Diese addierte Macht bezeichne ich als quantitative Autorität. Im Prinzip hat die gemeinschaftliche Mehrheit die größte Macht, die aber zuerst wahrgenommen werden muss, um ihr Potenzial ausnutzen zu können. Die Wahrnehmung der eigenen gemeinschaftlichen, quantitativen Autorität bringt einen Nachteil für die Minderheit mit sich. Sie wird unterdrückt! Der Grad der Unterdrückung ist relativ und hängt von vielen Faktoren ab (z.B. von der Regierungsform, Kultur etc.). (Übrigens - mit repräsentativer Demokratie versucht deutsche Regierung diese Unterdrückung so stark wie möglich abzumildern, indem sie die Wünsche der Minderheit ebenfalls berücksichtigt.) Was der Minderheit - als Reaktion darauf – übrig bleibt, ist, sich zu fügen (Akzeptanz) oder Widerstand (Inakzeptanz) zu leisten. Entscheidet sie sich für den Widerstand, so hat sie die Möglichkeit mittels persuasiver Kommunikation die Mehrheit auf die eigene Seite zu bekehren. Die Mehrheit reagiert darauf entweder mit Disziplin (Inakzeptanz) oder Widerspenstigkeit gegenüber der regierenden Autorität (Akzeptanz).

Die Mehrheit (solange sie für eine qualitative Autorität [z.B. Regierung] plädiert) und die qualitative Autorität selbst, hängen enorm voneinander ab. Aus diesem Grund eröffnet sich eine Hintertür für die Minderheit, Widerstand zu leisten: Eliminierung der Regierung, um die Einstellung o.Ä. der Mehrheit zu lockern und zu reformieren. Eine andere Möglichkeit, Regierung "auszulöschen", wäre: Mehrheit für sich zu gewinnen und eine Revolution anzustiften.

Grundsätzlich kann man sagen: Autorität ist eine Frage der Akzeptanz! Akzeptiert die quantitative, die qualitative Autorität, so schränkt sie sich in ihrer Freiheit ein. Akzeptiert sie nicht, dann:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

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