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Alexander Fufaev

Seite 8: Ungewöhnliche Veränderungen

Die gerichtliche Aussage gegen meinen Vater war nicht das Ende. Auch, wenn ich nun nichts mehr gegenüber der Polizei oder dem Richter äußern musste, nahm mich Mama trotzdem das eine oder andere Mal mit in die Stadt. Einmal ging die Reise nach Rostow. Opa Yura war am Steuer, Oma Lina auf dem Beifahrersitz. Mama, Dascha und ich hinten auf dem Rücksitz. Die Fahrt war ungewöhnlich, bis die Autobahnfahrt zu Ende war. Nach der Autobahn fuhr Opa mit ungefähr 100 Kilometern pro Stunde auf einer zweispurigen Straße; bis wir einen LKW einholten. Weil der LKW langsam war, fing Yura den zu überholen. Als er bereits die Hälfte des LKWs überholt hatte, erschien plötzlich links von uns ein schnelles Auto, welches sowohl uns als auch den LKW blitzschnell auf einem engeren Raum überholte. Das hatte uns und vor allem Opa so erschreckt, dass er wahrscheinlich hastig das Lenkrad nach rechts drehte und direkt seitlich ins LKW knallte. Das Auto fing an zu driften und kippte beinahe um. Glücklicherweise schaffte Opa noch rechtzeitig die Kontrolle über das Auto zu behalten. Das schnelle silberne Auto flüchtete noch schneller; doch mein Opa gab nicht auf - mit der total zerstörten vorderen Autotür, drückte er auf das Gaspedal und versuchte den Verbrecher einzuholen. Er war viel zu schnell mit seiner ausländischen Automarke. Doch die Flucht dauerte höchstens eine halbe Minute, bis er von den Polizisten gestoppt wurde. Wir standen alle unter Schock! Nach dem Anhalten bei den Polizisten, fragte uns Opa aufgeregt, ob wir alle in Ordnung seien. Als Mama ängstlich seine Frage bejahte, sah ich wie sie ihren Bauch festhielt. Mir ist es erst jetzt aufgefallen, dass er dicker als sonst war.

Natürlich hakte ich nach. Doch den Worten der Großeltern zu glauben, dass meine Mutter angeblich nur ein bisschen zugenommen hatte, konnte ich einfach nicht. Außerdem fingen die Großeltern plötzlich eine unangekündigte Renovierung im Haus an. Die Türen und Böden wurden gestrichen, neue Tapeten geklebt, das Hof und das Haus komplett aufgeräumt. Das passierte alles so schnell als hätten sie sich auf etwas Wichtiges vorbereitet. Bei geeignetem Mittagessen lagen auf einmal Messer neben den Gabeln, was sonst nie der Fall war. Wir aßen sonst immer nur mit einer Gabel und, wenn etwas durchgeschnitten werden musste, dann tat man dies mit dem Rand der Gabel. Es war anfangs verwirrend und ich wusste nicht, in welcher Hand es bequemer war, das Messer zu halten. Es war absurd und so langsam unglaubwürdig, was die Großeltern für Geschichten ausdachten, um das zu rechtfertigen. Irgendwann verrieten sie mir, was die ungewöhnliche Veränderung im Hause soll. Meine Mutter war schwanger und als sie für eine oder zwei Wochen auf einmal angeblich für eine Fortbildung verschwunden war, war das gar keine Fortbildung, sondern eine Reise nach Deutschland! Sie hatte davor einen Deutschen übers Internet kennengelernt und reiste zu ihm. Von dort brachte sie auch den allmählich dicker werdenden Bauch mit.

Oxana ist schwanger
Ich und meine schwangere Mutter (Sommer 2004, Kharkovskiy)
Alexander Fufaev: am Fahrrad 2004
Ich mit meinem schwarzen Fahrrad am Haus der Großeltern (Sommer 2004, Kharkovskiy)
Alexander Fufaev: am Teich 2004
Ich mit Opa Yuri, Mama, Dascha und Ksjuscha am Teich. (Sommer 2004, nahe Kharkovskiy)
Alexander Fufaev: mit Dascha am Feld
Ich und Dascha schauen auf unser Feld, wo Opa Yuri und Onkel das Feld "untersuchen". Im Hintergrund unser Auto, in dem Oma Lina ist. (2004, Kharkovskiy)
Alexander Fufaev: mit seiner Schwester im Garten.
Einschulung: Ich gehe in die 7. Klasse. Dascha in die 2. Klasse. Schnelles Foto am Morgen im Garten der Großeltern. (1. September 2004)

Und so bekam ich am 12. August 2004 eine Halbschwester - namens Laura.

Oxana : mit Laura
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Mama und die kleine Laura. (2004, Kharkovskiy)

Kurz nach dem ich erfuhr, dass Mama eine heimliche Bekanntschaft gemacht hatte, kam auch Joachim, der mein zukünftiger Stiefvater sein soll, nach Russland; um uns alle kennenzulernen. Er war ein Dutzend Jahre älter als meine Mutter. Er trug eine Brille mit runden Gläsern und zog öfters lustige Grimassen in Kombination mit einer verstellten nuschelnden Stimme.

Nach seiner Ankunft in Russland zeigten wir Joachim die nächsten Tage das Dorf Kharkovskiy und natürlich auch die Stadt Asow. Es war einer der peinlichsten Momente für mich, als wir im Asowschen Park in einem vollbesetzten Café saßen und Joachim sein Taschentuch rausholte, um damit ganz laut die Nase zu putzten. Alle Leute um uns herum drehten sich um und schauten uns wie Wilde an. Das Naseputzen ist übrigens in Russland als würde man bei den Gästen am Tisch ganz laut absichtlich furzen. Meine Mutter lachte trotzdem. Es war schön sie wieder glücklich zu sehen; nach all den Schwierigkeiten mit meinem Vater, den ganzen Gerichtsbesuchen und anderem Kram.

Vor allem der 17. September 2014 war ein ganz besonderer Tag für meine Mutter, denn an diesem Tag wurde sie mit Joachim verlobt. Wir reisten mit der ganzen Familie – abgesehen von Oma Lina, die sich in dieser Zeit um den Haushalt kümmerte - nach Asow. Dort holten wir ein paar Bekannte ab und dann ging es direkt zum Standesamt, wo ein neuer Lebensabschnitt für uns alle eingeleitet wurde. Es war mir bewusst, dass von nun an mein Leben wieder eine große Veränderung erfährt.

Verlobung von Joachim und Oxana Hatchik
Meine Mama setzt Joachim den Verlobungsring auf. (17. September 2004, Asow)
Nach der Verlobung: Alle vor dem Standesamt
Nach der Verlobung vor dem Standesamt (17. September 2004, Asow)
Nach der Verlobung: Joachim und Oxana am Don
Nach der Verlobung von meiner Mama mit meinem Stiefvater Joachim. (17. September 2004, Asow)
Nach der Verlobung: Yuri, Oxana, Joachim
Eine Bekannte, Oxana, Joachim und Opa Yuri (17. September 2004, Asow)
Nach der Verlobung: Onkel Sascha und Fufaev
Ich mit meinem Onkel Sascha (17. September 2004, Asow)
Oxana : am Don mit A.Fufaev, Daria Fufaeva
Mama mit Dascha am rechten Arm und der Tochter der Bekannten am linken Arm. Und ich schau mir den Don an. (17. September 2004, Asow)
Alexander Fufaev, Yura Hatchik, Sascha Hatchik
Ich, Onkel Sascha und Opa Yura warten auf meine Mama (17. September 2004, Asow)

Nach der Verlobung spazierten wir kurz zum Fluss Don, um dieses schöne Ereignis an einem sonnigen Tag auf ein paar Fotos festzuhalten. Als wir am Nachmittag wieder in Kharkovskiy angekommen waren, begrüßte uns Oma Lina mit Sekt und einem feierlich gedeckten Tisch. Es war üblich bei uns an den Feiertagen und Geburtstagen den Tisch reichlich zu decken; auf dem auch zumindest eine Flasche Vodka nicht fehlen durfte. In Anwesenheit meines Onkels drückten die anderen immer ein Auge zu und ich konnte ein paar Kurze zum Wohle aller mittrinken. Joachim hatte damit anscheinend auch keine Probleme.

Oma Lina: Empfang nach der Verlobung
Oma Lina empfängt uns am Hauseingang nach der Rückkehr aus Asow. (17. September 2004)
Verlobung von Oxana : alle am Tisch
Alle am Tisch: Tag der Verlobung meiner Mama. Wer auf dem Bild wohl Joachim ist... =D (17. September 2004)
Alexander Fufaev: mit Sascha Hatchik vorm Großeltern-Haus
Ich mit Onkel Sascha und einem Bekannten vor dem Großeltern-Haus (17. September 2004)

Joachim brachte mir aus Deutschland zwei meine allerersten CD’s mit, auf denen zwei Computerspiele drauf waren, wobei ich eines der Spiele ins Herz schloss. Es war ein fantastisches Rollenspiel namens Gothic. (Es hat jedoch nichts mit den schwarz angezogenen Menschen zu tun, die eine gewisse Musikrichtung bevorzugen). Als ich zum ersten Mal in die Welt von Gothic eintauchte, war ich von all den Einzelheiten, der Atmosphäre, den rauen Dialogen und später auch von der Story überwältigt.

YT-Link
Ein kurzes Gothic-Video

Die Dialoge in Gothic waren natürlich auf Deutsch, weshalb ich nichts verstand. Meine große Liebe zu Gothic gewann ich erst viel später als mein Deutsch besser wurde. Mithilfe meiner Mama, die mir manchmal Quests ins Russische übersetzte, fand ich endlich heraus, wie man eine Waldbeere aufhebt. Ich wusste nämlich nicht, dass man die Maustaste gedrückt halten und dann die "Pfeiltaste nach vorne" drücken musste, um die rote Waldbeere aufzuheben. Das war ein Glücksgefühl als ich es später nach der großen Reise, die bald vor mir lag, endlich herausfand. Diese anfänglichen Komplikationen brachten mich also eher dazu, das zweite von Joachim mitgebrachte Shooter-Spiel zu spielen, mit dem Titel: „Operation Flashpoint: Cold War Crisis“. Ich fand es aber auch schwierig dort nicht erschossen zu werden und stürzte vor allem immer mit dem Flugzeug ab…

Summa summarum – mein erster Eindruck von Joachim war positiv. Er war gar nicht so schlimm, wie ich mir ihn anfangs vorgestellt hatte.

Auf dem Feld: Joachim, Oxana, Dascha
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Auf unserem Sonnenblumen-Feld. Dascha, Mama und Joachim. Ganz links ist Yuri noch zu erkennen. (Sommer 2004)
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