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Alexander Fufaev

Seite 7: Rückzug zu den Großeltern

Alexander Fufaev: mit Dascha bei Großeltern
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Ich mit meiner Schwester Dascha am Haus von meinen Großeltern. Im Hintergrund die rote LADA: Das Auto von Opa Yuri. (2003-2004, Kharkovskiy)

Das Haus von Yura und Lina war an sich war zwar riesig, jedoch war es in zwei Hälften aufgeteilt. Die eine Hälfte des Hauses war nicht renoviert; dort gab es ein Sammelsurium alten, hauptsächlich technischen Zeugs. Irgendwelche Metallteile, Schrauben, Werkzeuge, hölzerne Kisten, ein paar nicht benutzte Bienenkästen und andere Sachen.

Der Teil des Hauses, in dem wir zusammen mit Lina und Yura wohnten, war zimmertechnisch fast eine Spiegelung der nichtbewohnten Hausseite. Sobald man ins Haus hineinging, stand man im großen Eingangszimmer, wo ein Röhrenfernseher stand, auf dem jeden Abend Lina und Yura so etwas ähnliches wie russisches "Big Brother" schauten. In diesem Zimmer wurde ebenfalls an einem in der Mitte stehenden Tisch gegessen. Ein Bett war an der einen Seite des Tisches und diente sowohl als Sitzplatz beim Essen als auch ein Schlafplatz von Opa Yuri. Als Mittagessen war üblicherweise Borscht, Pelmeni, Manti, Tschebureki, Pfannkuchen oder russische Piroggen. Zum Frühstück wurden die Reste vom Mittagessen aufgegessen. Wenn man davon nicht satt wurde, konnte man Brot mit Wurst und Käse essen.

Alexander Fufaev: oberkörperfrei bei den Großeltern
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Ich, bei den Großeltern im Zimmer, in welches man von draußen reinging.

Von dem Eingangszimmer aus konnte man direkt in die Küche gelangen, in der nur gekocht und in einer kleinen Wanne abgewaschen wurde. Auch, wenn dort ein großer weißer Tisch stand, benutzt wurde er nie zum Essen. In der Küche stand ein Gasherd, welcher mit einer großen Gasflasche betrieben wurde, denn im Dorf gab es keinen festen Gasanschluss. Wenn die Gasflasche zur ungünstigen Zeit leer wurde, dann benutzte die Oma einen kleinen elektrischen Herd zum Kochen. Das Problem war nur, dass es mindestens einmal in der Woche im Dorf kein Licht für ein paar Stunden gab (aus welchen Gründen auch immer), dann musste das Essen verschoben werden oder es gab eben eine Alternative aus dem Kühlschrank, die schnell aufgegessen werden sollte, bevor sie schlecht wurde. Wenn abends das Licht ausging, dann wurden einfach Kerzen angezündet.

Direkt links nach dem Eintreten ins Haus, gelangte man zum Ofen, mit dem an den kalten Tagen mit dem Holz das Haus geheizt wurde. Eine weitere Tür rechts vom Hauseingang, führte zum Badezimmer, wo ein alternatives "Haus-Plumpsklo" für die kalten Wintertage bereitstand; im Sommer wurde eher das draußenstehende Plumpsklo benutzt. Im Badezimmer war natürlich auch eine Badewanne, witzigerweise ohne einen Wasserhahn. Wozu auch, wenn es eh kein fließendes Wasser im Dorf gab! Das Wasser, welches zum Teil von einem LKW gebracht wurde und zum Teil vom Regen stammt, holten wir aus unserem Brunnen vor dem Haus. Dieses wurde fürs Abwaschen, Tee trinken oder eben fürs Baden benutzt. Oma Lina erhitzte für uns einen vollen Eimer, woraus wir das Wasser mit einem großen Krug schöpften und über uns - in der Wanne stehend - gossen.

In der Mitte des Eingangszimmers, direkt neben dem Fernseherschrank war ein breiter türloser Durchgang zu einem so eine Art kleinen "Übergangszimmer". Dort stand eigentlich nur ein Schrank mit Büchern. Von dem Zimmer aus, konnte man sowohl rechts als auch links in ein Schlafzimmer gelangen. Im linken Schlafzimmer schlief ich mit Oma Lina und Dascha in einem großen Bett. Ich musste aber auch mal in anderen Zimmern übernachten, weil ich kein eigenes Zimmer hatte. Im rechten Schlafzimmer war in der Anfangszeit die Mutter von Opa Yura, meine Uroma namens Anna untergebracht. Sie hatte eine große Wunde am Bein, welche sie immer aufkratzte und deshalb ständig Ärger von Yura bekam. Als sie eines Morgens nicht mehr aufwachte, wurde sie in einem recht nah gelegenen Friedhof, den man locker vom Haus aus sehen konnte, begraben. Nach einer Renovierung schlief Mama in diesem Schlafzimmer.

Wenn man weder nach links noch nach rechts in die Schlafzimmern abbog, dann konnte man noch geradeaus ins Wohnzimmer gelangen. Es war eigentlich kein richtiges Wohnzimmer, weil es zum Beispiel im Winter überhaupt nicht bewohnbar war. Es war immer Arschkalt dort! Wenigstens schützte ein großer roter Teppich vor dem eiskalten Boden. Im Zimmer stand eine große Schrankwand mit altem Geschirr aus Usbekistan, sowie Büchern bekannter russischer Schriftsteller, wie beispielsweise von Tolstoi, Puschkin und Dostojewski. Auch ein Bett, in dem man im Sommer schlafen konnte, stand hier; ein Klavier, an dem ich Titanic-Song von meiner Mutter spielen lernte, und ein nicht funktionierender Kamin, auf dem ein riesiger echter Schädel eines Elchs drauf stand. Im Sommer war es das kühlste Zimmer von allen! Wenn es draußen zu heiß war, baute ich in diesem Zimmer mit Dascha und meiner Cousine Ksjuscha sogenannte Basen voller Plüschtiere, Legomännchen und anderen Spielzeugen, die gegeneinander kämpften. Manchmal lief eine graue Maus aus einem Schlitz der Schrankwand und verschwand wieder hinter ihr. Obwohl Opa Yura immer Mausefallen platzierte; sie brachten nie etwas... Einmal saß sogar eine kleine Maus auf meiner Bettdecke als ich morgens aufgewacht war. Na, wenigstens war das eine kleine Maus und nicht irgendeine dicke Ratte, die manchmal in der anderen Hälfte des Hauses oder auf dem Dachboden herumlungerte.

Wenn man hinter das Haus ging, dann gelangte man in einen großen Garten, wo die Bienenkästen von Opa Yura standen, Apfelbäume, Birnenbäume, Aprikosenbäume, rote und schwarze Johannisbeeren und Heidelbeeren. Die Großeltern hatten natürlich auch Scheunen, wo Hühner, Schweine, Kühe, Enten und manchmal auch Truthähne jeden Abend von Opa eingesperrt und jeden Morgen nach Draußen herausgelassen wurden. Es gab nicht mal einen Zaun am Hof und sie sind trotzdem nie weggelaufen! Hinter den Scheunen pflanzten Großeltern Gurken, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kartoffeln, sogar Wassermelonen und vieles mehr an. Mir und Dascha wurde jeweils ein persönliches kleines Beet hinter der Kuhscheune zur Verfügung gestellt. Dort pflanzten wir unser eigenes Zeug zum Spaß an.

Garten: Großeltern
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Garten der Großeltern hinter dem Haus.

Ich verbrachte gerne die Zeit mit dem Bruder von meiner Mama, mit Onkel Sascha. Er wohnte mit Tante Olja und meiner Cousine Ksjuscha zwei Häuser weiter, arbeitete aber immer am Haus der Großeltern, weil dort die ganze Technik stand.

Großeltern-Haus von hinten
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Rechts ist das Haus von Olja, Sascha und Ksjuscha. Die Straße führt zum Haus der Großeltern. Um rüber zu laufen, musste ich vor den Hunden der Nachbarn weglaufen. (2013)

Ich fuhr mit Onkel Sascha auf die Felder mit unserem blauen Trecker, um dort Sonnenblumen, Getreide, Weizen oder Gerste anzupflanzen und sie dann mit unserem später erworbenen Mähdrescher zu ernten. Natürlich durfte ich auch mal selber den Mähdrescher und den Trecker lenken. Irgendwann kaufte er mit Opa sogar einen weiteren blauen Trecker, den ich in der freien Zeit zusammen mit Onkel mit einer Musikanlage (zum Musikhören auf den Feldern) und getönten Scheiben gegen die Sonne ausgestattet hatten.

Alexander Fufaev: mit Onkel aufm Feld
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Ich mit Onkel auf unserem Feld.

Wenn mein Onkel nicht gerade auf den Feldern war, schraubte er an der Technik herum oder baute seine eigenen Aggregate, wie z.B. einen Pflug, wobei ich ihm gerne mithalf. Am meisten Spaß hat mir Lackieren der Aggregate mit roter Farbe gemacht oder den Motor des Treckers zu putzen, sodass er dann silberfarben glänzte. Zum Spaß bauten wir auch Bögen für mich, Ksjuscha und Dascha zusammen; sogar eine tödliche metallische Armbrust fertigten wir an und schossen damit in die Luft oder in die hölzernen Anhänger.

Hof bei den Großeltern: Scheune + Anhänger
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Teil des Hofs der Großeltern: Scheune, in der unsere Kuh gehalten wurde. Zwei Anhänger zum Transport der Ernte. Und ganz links ist ein Teil des rot gestrichenen Pflugs zu sehen. (Jahr 2004-2006, Kharkovskiy)

Wenn meine Großeltern mit meiner Mutter in die Stadt wegfuhren, erlaubte mir Onkel Sascha in den Raucherpausen mit ihm eine Zigarette zu rauchen! Er besaß immer Zigaretten (namens "Prima") ohne Filter, weil sie die billigsten Zigaretten in Russland waren und nur 2,50 Rubel kosteten. Manchmal war ich auch mit in der Stadt, um beispielsweise auf dem Asowschen Bazar neue Kleidung zu kaufen oder einfach mal Galja, Gogi und meine Freunde zu besuchen. Unterwegs zurück saß ich ab der Stelle, wo auf jeden Fall keine Polizisten auf der Straße waren, auf dem Schoss von Opa Yuri und lenkte die rote LADA bis nach Hause. Später durfte ich auch alleine das Auto nach Hause fahren und die Komplimente von der hinten sitzenden Oma Lina bezüglich meines geschmeidigen Fahrstils kassieren.

In Kharkovskiy besuchte ich zuerst die 6. Klasse in der Schule Orlowskaja, zu der ich jeden Morgen mit dem Schulbus ins Nachbardorf Orlowka fuhr. Auch meine Mama fuhr dorthin, weil sie dort einige Zeit als Lehrerin der Erstklässler arbeitete. Dascha wurde dort ebenfalls in die erste Klasse eingeschult. In der Schule hatte ich statt Englisch Deutsch als Fremdsprache. Mehr als "Guten Tag" zu sagen, konnte ich aber trotzdem nicht... *hust*

Alexander Fufaev: auf dem Weg zur Schule
Ich und Dascha werden von Oma Lina zur Schule verabschiedet. Dascha geht in die 1. Klasse. Ich in die 6. Klasse (1. September 2003, Kharkovskiy)
Daria Fufaeva: 1.Klasse Einschulung
Dascha wird in die 1. Klasse eingeschult. (1. September 2003, Orlowka)
Oxana Fufaeva: Schulveranstaltung in Orlowka
Ein neues Schuljahr hat begonnen. Meine Mutter (als Lehrerin) spricht irgendetwas ins Mikrofon am Schulgebäude. (1. September 2003, Orlowka)
Orlowskaja Schkola: Gebäude
Schulgebäude in Orlowka (viele Jahre danach)
Kharkovskiy: Haltestelle
An dieser Haltestelle hielt der Schulbus nach der Schule an. Von hier aus, ging ich zu Fuß zum Großeltern-Haus entlang dieser Straße. (2013, Kharkovskiy)

Nach der Schule half mir Onkel Sascha mit Mathematik. Und sobald die Hausaufgaben fertig waren, spielte ich mit Dascha und Ksjuscha bei den Großeltern oder bei Olja. Wenn ich im Haus der Tante mit Onkel Sascha war, wollten die beiden mich immer mit meiner Mitschülerin und Ksjuschas Freundin Irina (wir nannten sie Ira) verkuppeln, während ich eine Zigarette rauchte, grinste und denen antwortete: "Sie sieht mit ihrem nach vorne gestreckten Gebiss wie ein Urmensch aus...". (Wahrscheinlich war es mir peinlich in der Pubertät über Mädchen zu reden, weshalb ich mir solche Aussagen ausdachte. In Wirklichkeit fand ich sie recht hübsch).

Haus von Ira und Weg zum Laden Rossija
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Rechts im Haus wohnte Ira. Der Weg führt zum Laden "Rossija", wo man Tischtennis und Billard spielen konnte. (2013, Kharkovskiy)

Ich raste mit Ksjuscha zusammen mit dem Fahrrad durch das ganze Dorf. Wir spielten öfters in einer einstöckigen, nicht bis zum Ende gebauten Schule mit anderen Dorfkindern Versteckspiele oder kletterten einfach auf dem Gerüst herum.

Alexander Fufaev, Daria Fufaeva, Ksenia Albahova bei den Großeltern
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Dascha, ich und Ksjuscha mit meinem kleinen Cousin Yuri im Wohnzimmer bei den Großeltern. Links auf den Büchern ist mein Lieblingskuscheltier-Löwe, den ich noch aus Usbekistan hatte. (2004, Kharkovskiy)

Einst übernachtete ich bei Ksjuscha zu Hause. Es wurde dunkel und wir sprangen noch auf ihrem Doppelbett, wie auf einem Trampolin. Vor ihrem Bett stand ein Klavier und oben drauf viele Plüschtiere. Beim Springen wurde ich auf einen böse schauenden Affen genau in der Mitte der ganzen Plüschtiere aufmerksam. Ganz egal, wo ich sprang, der Blick des Affen war stets auf mich gerichtet. Seine schwarzen Augen verfolgten mich an jeder Stelle des Raumes. Ich hatte solche Angst bekommen, dass ich so schnell wie möglich aus Oljas Haus verschwand und in einer puren Dunkelheit zum Haus der Großeltern raste. Dabei blickte ich immer wieder zurück auf einen auf dem Feld errichteten Friedhof, wo meine Uroma beerdigt war. Schwarze Vögel, die auf den Strommasten trotz Dunkelheit noch zu erkennen waren, gaben gruselige Lauten von sich. Ein plötzlich bellender Hund der Nachbarn schreckte mich auf, sodass ich noch schneller zum Großeltern-Haus rannte. Dort angekommen, kam kurze Zeit später Tante Olja, um zu fragen, warum ich denn plötzlich weggerannt war. Als ich ihr ängstlich von dem Affen erzählte, lachte sie nur und ging wieder weg.

Irgendwann hatten meine Großeltern einen allerersten Computer erworben, den sie im Wohnzimmer von einem Fachmann einrichten ließen. Ein Röhrenbildschirm, so ein PC-Kasten, eine Tastatur, eine Maus, zwei Lautsprecher und ein Teil mit Lämpchen, welches merkwürdige Geräusche von sich gab. Später stellte sich heraus, dass man damit ins Internet gelangen könnte. So einen Computer hatte ich höchstens im Asowschen Internetcafe bedient, wobei ich da nur bereits eingeschaltete Ballerspiele mit dort anwesenden Jugendlichen zockte. Ich wusste noch nicht so ganz wie ein Computer funktionierte und durfte deshalb nur unter Aufsicht an den heran. Es gab sogar ein Spiel drauf, namens "Quake III Arena", was ich gerne mit Onkel zusammen spielte. Dieses entdeckte ich aus Versehen an einem Abend, weil ich neugierig war, was passieren würde, wenn ich auf die interessante Verknüpfung auf dem Desktop klicke...

Kharkovskiy: Wohnzimmer mit Computer. Oxana Goltermann, Alexander Fufaev, Daria Fufaeva
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Ich mit Mama und Dascha im Wohnzimmer des Großeltern-Hauses. Im Hintergrund sieht man den Computer, wo das 4x4 Rennspiel an ist. Wahrscheinlich wurde ich beim Spielen unterbrochen. Möglicherweise ist das Foto kurz vor Silvester entstanden. Den Kamin hinten, habe ich noch nie brennen sehen. Die Hörner auf dem Kamin sind echt. (2003-2004, Kharkovskiy)

Als die Großeltern und Mama weg in der Stadt waren, zockte ich nicht nur mit Onkel Sascha, sondern suchte auch manchmal nach Pornobildern im Internet, in welches man sich per Telefon einwählte. Es war total langsam. Und die "Internetkarte", die man kaufen musste, um im Internet zu surfen, war ständig aufgebraucht.

An warmen Tagen als die Großeltern noch ein braunes Pferd hatten, fuhren wir mit der Kutsche zu einem nicht weit gelegenen, vom vielen Schliff umrundeten Teich, wo wir badeten oder mit Opa Yuri angelten, anschließend eine russische Fischsuppe namens Ucha kochten und sie natürlich in der reinen Natur verspeisten. Später als das Pferd verkauft wurde, ersetzte es das Auto von Opa.

Am Teich bei den Großeltern
Ich, Dascha und Ksjuscha an einem Teich (2004, nahe Kharkovskiy)
Am Teich bei den Großeltern
An warmen Tagen fuhren wir zum Teich nicht weit entfernt, um dort zu Baden. In der Nähe jagten wir Fasane. (Dascha, Yura, Ksjuscha, 2004)

Jeden Hochsommer chauffierte uns Yura mit seiner roten LADA für einen ganzen Tag zum Meer. Dort mieteten wir beispielsweise Jet-Skis für ein paar hundert Rubel und düsten damit durch das horizontlose Meer. Beim Fahren gegen die Wellen, hatte ich ein bisschen Angst, dass der Jet-Ski umkippt, weil das immer bei jemandem passierte... Tretboote fand ich am besten; auch, wenn wir einmal von einem Jet-Ski-Fahrer gerettet werden mussten, weil wir mit unserem Tretboot zu weit ins Meer hinaus getraut hatten und dann nicht mehr gegen die Wellen ankamen.

Alexander Fufaev: mit meinem Walkman von Gogi.
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Ksjuscha, Onkel Sascha und ich am Meer. (Sommer 2003-2004, Asowsches Meer)

An kalten windigen Tagen des Frühlingsanfangs jagte ich mit Onkel Sascha und Ksjuscha Fasane oder Enten mit einem langen Gewehr, dessen Munition von Opa Yuri selbst hergestellt wurde. Manchmal war es so windig, dass ich beim Wandern durch das Schilf ins noch leicht vereiste Wasser fiel. Mein Onkel entfachte dann ein Lagerfeuer für mich, an dem ich wieder mit einem Gläschen Wodka und einer Zigarette trocken und warm wurde. Die Jagdbeute wurde dann zu Hause an Oma Lina übergeben und von ihr zu einem leckeren Braten verarbeitet. Wenn es mal nicht der Braten von der Jagd war, dann war es vom Hof. Ein Hähnchen oder eine Ente waren also nichts Außergewöhnliches beim Essen; ein Schaschlik aus eigenem Schwein dagegen schon. Auch, wenn der Schaschlik köstlich schmeckte, war es nicht schön zu beobachten, wie Onkel dem Schwein ein Messer in den Hals jagte und der ganze Boden während des lauten Geschreis des Schweins sich dunkelrot färbte. Ich hatte mich immer gefragt, wie das Onkel mit einem Grinsen im Gesicht schaffte, während er seine graue deutsche Dogge respektierte, als wäre sie ein Mensch. Heute wundere ich mich, wie es diese Doppelmoral der Menschen zu rechtfertigen ist, wenn es im Prinzip das Gleiche in den Schlachthöfen mit Schweinen passiert. Während die Politiker die unantastbare Würde des Menschen in einem Gesetz verankern und Freiheits- und Geldstrafen für Haustiertötungen verhängen, kommen Lebensmittelunternehmen, die systematisch tausende Schweine töten einfach davon. Warum sind Haushunde wertvoller als Schweine?

Alexander Fufaev: mit den Verwandten. Schwei am Spieß.
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Ich und Ksjuscha halten das Schwein am Spieß. Im Hintergrund unser Mähdrescher. (Sommer 1999-2002, Kharkovskiy)

So wie das Schwein verblutete, verblutete auch mein Herz. Ständig musste ich mit Mama, Yura und Lina nach Asow fahren, um gerichtliche Dinge bezüglich der Streitereien meiner Eltern zu klären. Am liebsten wär ich immer beim Onkel im Dorf gelblieben, doch die Fahrten nach Asow konnte ich mir nicht immer aussuchen…

Einst musste ich im Auto mit Opa Yura warten, während Mama irgendwelche Sachen beim Gericht erledigte. Als sie zurück ins Auto kam, erzählte sie uns, dass sie Dima begegnet war und, dass sie beim Warten einen Kaffee getrunken hatten. Plötzlich wurde meiner Mutter schlecht, sie legte sich auf den Rücksitz und meinte - fast weinend - ihr wird schwindelig. Dann schrie Yura auf "Dieses Schwein hat Dich bestimmt vergiftet!" drückte aufs Gaspedal und raste - an den roten Ampeln vorbei - ins Krankenhaus. Ich fing auch an zu weinen, weil ich Angst hatte, dass meine Mutter jetzt gerade sterben könnte. Im Krankenhaus angekommen wurde sie von den Sanitätern abgeholt und ich musste wieder mit Opa warten. Nach längerer Zeit wurde sie unversehrt zum Auto zurückgebracht. Ab dann wurde mir ständig eingetrichtert: "Dein Vater hat versucht Deine Mutter zu vergiften". (Im Laufe der Zeit konnte ich irgendwie nicht glauben, dass mein Vater dazu fähig wäre, meine Mutter umzubringen...)

Irgendwann kam auch der Zeitpunkt, wo ich wegen Dimas Handgreiflichkeiten gegenüber meiner Mama beim Gericht gegen ihn aussagen musste; obwohl ich das nicht wirklich wollte, weil ich mir als Kind nicht sicher war, ob er wirklich meine Mutter schlug. Es sah zwar so aus, aber irgendwie konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es blieb mir nichts anders übrig; es wurde mir so oft eingeredet, dass mein Vater schuld ist, dass ich es an zu glauben anfing. Nachdem ich gegen meinen Vater ausgesagt hatte, lief ich aus dem Saal raus - direkt in die Vaters Arme. Nach der Umarmung blickte ich in sein Gesicht und weinte. "Sanjek, es ist nicht schlimm" – sagte er mir tröstend. Als meine Mama ebenfalls den Saal verließ, verabschiedete ich mich vom Vater und er ging weg.

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