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Alexander Fufaev

Seite 5: Asowscher Sommer

Stadt: Asow
Stadt Asow
Stadtzentrum: Asow
Stadtzentrum in Asow (2013)

Zu meinem Geburtstag durfte ich mir ein Fahrrad auf dem Asowschen Basar aussuchen. Ich entschied mich für ein schwarzes Fahrrad mit kleineren Rädern. Fahrradfahren konnte ich noch nicht, weil es mein allererstes Fahrrad war. Bei den Großeltern im Dorf lernte ich auf dem weichen Gras, wie man Gleichgewicht hält. Als ich es nach vielen Stürzen einigermaßen beherrschte, stand mir nichts mehr im Wege das Fahrradfahren auch in der Stadt auszuprobieren. So konnte ich an den großen bösen Jungs einfach vorbeirasen, noch bevor deren kleines Gehirn mich zu registrieren anfängt.

Asow, Don: Alexander Fufaev auf dem Schiff
Ich auf einem Schiffchen auf dem Fluss Don (Asow, 2004)
Asowscher Park: Veselye Gorki
Ich, Dascha und Cousine Ksjuscha im Asowschen Park: "Lustige Berge" (Asow, 2004)

Mit dem Fahrrad war es im Sommer viel einfacher die Stadt nach dem Zeug für unser Baumhaus abzusuchen, welches ich mit meinen Freunden bauen wollte. Wir durchsuchten Müllhalden nach Holzbrettern oder entwendeten sogar Nägel, Werkzeuge und Steine von einer Baustelle, die sich hinter einer hohen weißen Mauer befand; wo wir sogar abends mit so etwas wie Salzgeschossen von einem Wachmann beschossen wurden. Nach dem wir genügend Bretter und Nägel gesammelt hatten, bauten wir unser dachfreies Baumhaus auf den dicken Ästen eines Baums auf unserem Hof. Das Baumhaus hing direkt oberhalb eines eckigen Tisches mit Bänken, an dem täglich russische Babuschkas (Omas) schnackten. Einst wollten wir sie erschrecken, also warfen wir - mitten im Sommer - einen dicken Böller durch ein Loch im Boden unseres Baumhauses auf den mit Omas vollbesetzten Tisch. Sie hatten sich so erschrocken, dass eine von ihnen die Polizei angerufen hatte. Da musste ich zum ersten Mal von einem Streifenwagen abhauen und mich hinter den Hügeln verstecken.

Leider wurde unser Baumhaus irgendwann von den bösen Jungs zerstört. Einen von ihnen konnte Opa Gogi fast erwischen als ich auf dem Weg zum Bäcker war. Gogi hatte sich hinter einer Tür versteckt und als er aus seinem Versteck herauskam, während der Junge mein Geld verlangte, nahm der Bengel seine Beine in die Hand und rannte wie ein Verrückter weg.

Begegnung mit einem Junkie
Durch die Gegend streifend, stießen wir auf einen Ort voller riesiger Tannenbäume. Unter einem der Tannenbäume versteckte sich ein Junkie und schnüffelte an seinem Kleber. Uns war wohl langweilig, also fingen wir an, ihn zu ärgern. Er wurde von uns wahrscheinlich fast zum Explodieren gebracht, so böse sah er aus... Dann lief er die ganze Zeit wütend hinter uns her, was ich zuerst als spaßig empfand. Wir rannten weg - blöderweise liefen alle meine Freunde in unterschiedliche Richtungen. Ich hielt bei einem noch nicht fertiggestellten Gebäude an. Plötzlich hörte ich meinen Freund Sanja "Pass auf!" schreien. Direkt nachdem ich mich umdrehte, packte der Junkie mich am T-Shirt und zog hinter die Ecke. Er drückte mich mit einer Hand an die Wand und tat die andere hinter seinen Rücken. In dem Moment ging ich davon aus, dass er nach seinem Messer greifen und mich abstechen wollte; also schrie ich so laut wie möglich nach Hilfe. Zum Glück machte mein lauter Schrei die älteren Nachbarjungs, die in Sichtweite auf der Bank chillten, aufmerksam. "Ey, Du!", schrie einer von denen in unsere Richtung und alle Jungs liefen auf uns zu. Während der Junkie kurz in ihre Richtung blickte, lockerte sich sein Griff und ich nutzte die Chance, um mich aus seiner Hand loszureißen. Sich hinter der Ecke versteckend, beobachtete ich dann, wie er von jedem der Jungs ein paar Arschtritte kassierte. Ich war so froh in dem Moment, dass ich dabei unversehrt geblieben war. Was wäre mir zugestoßen, wenn die Jungs nicht in der Nähe gewesen wären?

Das goldene Pferd
Mein Freund Rafik hatte uns eine Legende von einem goldenen Pferd erzählt, welches irgendwo unter unserer Stadt vergraben sein sollte. Ein zwei Meter hohes Pferd aus purem Gold, das darauf wartet, von uns gefunden zu werden. Wir glaubten Rafik jedes Wort! Ohne zu zögern, machten wir uns auf die Suche nach dem Schatz, der uns steinreich machen würde. Am nächsten Tag besorgten wir eine Taschenlampe, ein Seil, einen Hammer, eine Schaufel und Proviant und gingen zusammen los, die ganze Stadt zu durchsuchen. Alle möglichen Gegenden wurden von uns durchforstet; bis wir auf ein schwarzes Loch im Boden in einer verlassenen Gegend zwischen vielen Bäumen stießen. Es war dunkel dort und man konnte den Boden nicht erkennen, deshalb war es schwarz. Nachdem jemand mit einer Taschenlampe reingeschienen hatte, realisierten wir, dass es mindestens zwei Meter tief war und man konnte anscheinend sogar unten weiter hineingehen. Ein Seil hatten wir zwar dabei, doch niemand traute sich nach unten zu klettern - also musste "Schere, Stein, Papier" entscheiden. ICH hatte natürlich Pech… Meine Freunde schmissen das eine Ende des Seils in das Loch hinein; das andere Ende hielten sie fest und drückten mir die Taschenlampe in die Hand. Je weiter ich nach unten vordrang, desto schlechter wurde die Luft. Der Gestank war nicht auszuhalten: eine Mischung aus Fäkalien und Alkohol. Ganz unten angekommen, machte ich die Taschenlampe an - dann sah ich zwei Penner, die anscheinend dort schliefen. "Oh, Mist" dachte ich mir nur, dann blickte ich auf die ins Loch schauenden Köpfe meiner Freunde und gab denen ein Signal, mich schnellstmöglich herauszuziehen. Wer weiß, was das für Typen dort unten waren; vielleicht waren es gefährliche Junkies! Eins war sicher: Es waren keine Leichen, denn als wir am nächsten Tag nochmal nachschauten, waren die Typen verschwunden. Deshalb konnten wir diesmal bis ans Ende des Gangs vordringen. Dort befand sich eine Wand, hinter der wir das goldene Pferd vermuteten. Also hauten wir einige Tage lang mit dem Hammer drauf, um die Wand zu durchbrechen, doch ganz durch schafften wir es nicht. Wir haben es dann aufgegeben. Zum Glück wurden wir da nicht verschüttet!

Die Pik-Dame
In einigen Eingängen der heruntergekommen Hochhäuser gab es kein Licht. Wenn es dunkel wurde, dann sah man abends die Haustreppe nur, weil das Sonnenlicht oder Mondlicht durch die Fenster hineindrang. Im Erdgeschoss, direkt am Hauseingang, gab es überhaupt keine Fenster. Es war ein Bereich des Gebäudes, der in der Nacht stockdunkel wurde. Es war stets ein Nervenkitzel da durchzugehen. Gänsehaut breitete sich über den ganzen Körper aus, sobald man die Schwärze betrat. Dieser Ort lieferte die perfekte Atmosphäre für Gruselgeschichten.

Mit einer Kerze ausgestattet, erzählten wir uns dort gerne ausgedachte oder reale Geschichten über gestorbene Menschen, Friedhöfe und Geister. Auch ein mitgebrachtes Buch der schwarzen Magie wurde von uns durchforstet. Damit konnte man angeblich anderen Menschen körperlichen und seelischen Schaden zufügen. Die Anleitung zur Beschwörung der Pik-Dame zog uns insbesondere in den Bann. Anja erzählte, dass sie das schon mit ihren Freundinnen ausprobiert hatte, dann erschien angeblich ein Geist im Spiegel und wollte sie erwürgen. Der Legende nach, so erzählte sie, war die Pik-Dame gar nicht böse, sondern die Kreaturen, die zusammen mit ihr durch einen Spiegel in unsere Welt gelangen könnten. Bevor sie etwas Schlimmes tun, sollte man schnellstmöglich die angefertigte Zeichnung auf dem Spiegel wegwischen. Wir fanden das so super spannend, dass wir es unbedingt auch ausprobieren wollten! In der nächsten sommerlichen, warmen Nacht versammelten wir uns zu viert oder zu fünft am Ort der Schwärze; mit den zur Beschwörung notwendigen Dingen. Nach dem Anzünden einer Kerze befolgten wir die Anleitung Schritt für Schritt: Zuerst malten wir mit einem Lippenstift auf einem rechteckigen Spiegel eine ungefähr vierstufige Treppe. Am unteren Ende der Treppe wurde eine Tür und auf die oberste Stufe ein Punkt draufgeschmiert. Dann hielten wir eine Pik-Dame-Karte mit der Vorderseite an den Spiegel und riefen alle zusammen – bei Kerzenlicht, im Kreise sitzend und auf den Spiegel starrend: „Píkawaja Dáma pridí“; „Pik-Dame erscheine“, „Pik-Dame erscheine“… Einer von uns kicherte. „Pik-Dame erscheine“, „Pik-Dame erscheine“. Rafik quatschte grinsend dazwischen: „Sanja, da ist jemand hinter dir, auf der Treppe!“. Ein kalter Schauer lief über meinen Rücken. Ich schaute mich kurz zur Sicherheit um. Niemand war da. „Pik-Dame…“ – plötzlich erschreckte uns die aufgehende Tür des Treppenhauses. Eine nicht zu erkennende Person, deren langsamer Gang einem Zombie ähnelte, lallte etwas mit einer tiefen männlichen Stimme vor sich hin. Wir hauten alle ab.

Der Sommer neigte sich seinem Ende zu. Einige meiner Freunde fuhren noch mit ihren Eltern in den Urlaub. Rafik, der direkt über uns wohnte, fuhr mit seinen Eltern zum Asowschen Meer. Doch als der Urlaub vorbei war, kamen nur seine Eltern zurück. Seine Mutter erzählte später, dass er von einem Sog im Asowschen Meer in die Tiefe gezogen wurde, während sie nichts ahnend am Strand saß. Auch eine Suche mit dem Hubschrauber kam zu spät. Es war seltsam, meinen Freund Rafik nie mehr auf dem Hof zu sehen.

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