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Alexander Fufaev

Seite 4: Petrovksiy Boulevard

Als ich in die 4. Klasse wechselte, kauften meine Eltern mithilfe der finanziellen Unterstützung der Großeltern, eine sehr günstige Wohnung in der Straße "Petrovksiy Boulevard". Nach einer Renovierung - mit großer Hilfe von Opa Yura, der öfters mal vor sich hin geschimpft hatte, weil die Tapeten nicht das taten, was er verlangte - zogen wir in eine gemütliche Wohnung ein. Sie war ein Schnäppchen, weil sich dort ein alter Mann im Abstellraum erhängt hatte und die potentiellen Käufer immer davon abgeschreckt waren. Meine Eltern nahmen das in Kauf; dafür hatten wir aber unsere eigene drei Zimmer Wohnung! Als mir Dima von dem Vorfall mit dem erhängten Mann erzählt hatte, breitete sich immer wieder Gänsehaut über meinen ganzen Körper aus, wenn ich alleine in der Wohnung war und die quietschende Tür des Abstellraums aufmachte.

Haus von Lina und Yura
Google-Maps
In diesem Wohnhaus - im Erdgeschoss - wohnten wir. Dies ist die Straßenseite des Hauses. Das größere Fenster, direkt unter dem Balkon, gehörte dem Schlafzimmer meiner Eltern. Diese an das Haus angebaute Apotheke gab es früher nicht, stattdessen wohnte dort Julia mit ihrer Oma.(Petrovksiy Boulevard, Asow, viele Jahre danach)

Stehend vor dem Abstellraum, konnte man sowohl nach links als auch nach rechts in eines der Zimmern fliehen, falls der Geist des Mannes tatsächlich erscheinen sollte. Bog man nach links ab, dann war man im Zimmer von mir und Dascha, welches auf der Hofseite lag. Aus diesem Zimmer konnte ich sofort sehen, ob meine Freunde Sanja (mein bester Freund), Igor (der Weise), Ira (die von meinen Sportkünsten Begeisterte), Wanja (der Älteste), Jana (erste Freundin), Vika (die Schwester der ersten Freundin, die ich besser fand), Rafik (der muslimische Freund), Anton (der Nachzügler), Anna (die ältere Verehrerin) und andere Jugendliche aus der Nachbarschaft auf dem Hof abhingen.

Bog man dagegen nach rechts ab, dann gelangte man ins Schlafzimmer der Eltern, welches auf der Straßenseite lag. Dort aus dem Fenster sah man eine zweispurige Straße, hinter der sich ein großer Basar erstreckte. Dort verkauften die Menschen von morgen früh bis abends frisches Gemüse, Obst und vor allem unterschiedlichste Süßigkeiten. Auch russische Omas saßen da auf den Hockern und vertickten beliebte, im Öl gebratene Sonnenblumenkerne. In einer kleinen Hütte, die mich an das Haus mit Hühnerbeinen erinnerte, wartete durch das Fenster grinsend, ein freundlicher Bäcker, der sein frisch gebackenes Brot loswerden wollte. Meine Mama schickte mich manchmal zu ihm, um weißes Brot für ein paar Rubel zu kaufen. Auf dem Weg zurück vom Bäcker konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, in den knackigen Rand des duftenden, warmen Brotes reinzubeißen.

Das Wohnzimmer lag, sowie mein Zimmer, auf der Hofseite. Dort stand auch unser alter aufklappbarer Tisch, an dem wir frühstückten, weil die Küche sehr klein war und dort maximal zwei Menschen reinpassten. Zum Frühstück gab es bei uns am Wochenende meistens gekochte Eier und gekochte Würstchen. Sobald ich an einem Samstagmorgen meine Augen aufmachte, konnte ich bereits den leckeren Geruch des selbstgemachten Kaffees von meinem Vater wahrnehmen. Dazu tat er Zucker und Kaffeepulver, sowie einen Teelöffel Wasser in eine Tasse rein. Danach rührte er das Gemisch solange um, bis die Konsistenz hell braun wurde. (Davon probierte ich immer ein bisschen, weil es lecker war). Sobald er dann diese Konsistenz aufgegossen hatte, roch es bestimmt sogar draußen nach Kaffee, wo bereits die Omas an ihrem Stammtisch sitzend schnackten und Jugendliche an der Klimmzugstange herumalberten.

Wohnzimmer: Petrovksiy Boulevard in Asow
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Das Wohnzimmer. Etwas unaufgeräumt. Das Fenster ist auf der Hofseite, wo ich mit meinen Freunden spielte. Im Bücherregal versteckte sich immer unser kleines Kätzchen, was Dima mal mitgebracht hatte. Es wurde aber später einer alten Frau abgegeben, weil meine Ma es hasste überall das Katzenfell aufzuräumen. (Petrovksiy Boulevard, Asow)

Nach dem ersten Frühstück in der neuen Wohnung musste ich in die neue Schule, denn meine alte Schule ging nur bis zur dritten Klasse und war auch viel weiter von unserer neuen Wohnung entfernt. Von zu Hause aus bummelte ich eine sehr lange Allee entlang, die mich direkt bis zur Schule führte. Unterwegs gab es einen Kiosk, bei dem ich Kaugummis mit Aufklebern, Chupa Chups oder andere Süßigkeiten kaufte. Manchmal gönnte ich mir auch eine Packung Zigaretten.

Petrovksiy Boulevard: Weg zur Schule Nr. 1
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Allee, die mich direkt bis zu meiner Schule führte. An der Seite sieht man den Kiosk.

Nach dem Kiosk beschritt ich weiter den Weg zur Schule. Auf der Hälfte des Weges stand links eine schwarze Hirsch-Statue, hinter der ein großer Hügel war, von dem ich und andere Kinder im Winter mit ihren Schlitten und Kartons herunter rasten. Rechts des Weges fuhren Autos hin und her. Und hinter der Straße erstreckte sich ein riesiger Park. Dort gab es Attraktionen, wie zum Beispiel ein Riesenrad, das über alle Häuser und Bäume hinausragte. Es war bestimmt so groß wie das Hochhaus in dem wir früher wohnten!

Asow: Hirsch-Statue
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Hirsch-Statue, hinter der ein großer Hügel ist.

Am Ende der Allee kam meine Schule zum Vorschein. Vor ihr stehend, betrat ich die großen Türen ins Unbekannte. Eine große Halle mit vielen herumalbernden Schülern, laute Geschreie, eine Garderobe. Treppen an den Seiten, die zu oberen Stockwerken führten. Dort erstreckten sich lange Gänge, wo ich mit anderen Schülern während der Pause Fangspiele spielte. In dieser Schule traf ich zum ersten Mal größere Jugendliche aus höheren Klassen, die mich und andere mobbten. Schlägereien waren also auf der Tagesordnung. Wenn man sich mit Fäusten wehrte, erlebte man ein blaues Wunder. Angeschwollene Augen waren nicht ungewöhnlich. Ich musste mich damit abfinden, dass ich nun im Alter angekommen war, wo ich nicht mehr als ein kleines unantastbares Kind behandelt wurde. Es fing die Zeit an, wo ich in der Schule aufpassen musste, wenn ich auf die Gruppe anderer Jugendliche traf. Sie zogen entweder das Geld ab oder schubsten einen herum. Am besten war es, wenn man selber in einer Gruppe unterwegs war – insbesondere abends. Es war wichtig sich in Anwesenheit dieser draufgängerischen Jugendlichen selbstbewusst zu verhalten, immer schön cool gehen und das Kinn oben halten, um nicht als Opfer wahrgenommen zu werden. Wer diese Regel nicht befolgte, galt als ein Opfer und wurde dementsprechend so behandelt. Manchmal wurde ich von diesen Jugendlichen dazu gezwungen andere zu mobben. Irgendwann gewöhnte ich mir das an und mobbte manchmal einen ein paar Jahre jüngeren Jungen namens Dima. Ohrfeigen gab ich ihm, oder nahm seine Pokemon-Karten weg. Dann lief er weinend nach Hause und erzählte das seiner Mutter, die dann vom Balkon aus mich beschimpfte. Manchmal klingelte sie auch an unserer Tür, um mit meinen Eltern zu sprechen. Deshalb bekam ich später auch ein bisschen Angst, wenn ich ihn "aus Versehen" ärgerte und er dann nach Hause zu seiner Mutter lief. Ich haute dann auch ab; möglichst weiter weg vom Hof.

Schule in Asow: Schule Nr.1
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Das ist die Schule № 1 in Asow
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