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Alexander Fufaev

Seite 19: Neuanfang

Diesmal wollte ich die gleichen Fehler nicht nochmal machen. Ich organisierte eine Lerngruppe und ging zur Einführungswoche für die neuen Erstsemestler. Um sich auf das Studium konzentrieren zu können, nahm ich mir vor unter keinen Umständen krampfhaft nach der Liebe des Lebens zu suchen; ich wollte ebenfalls keine Beziehungen eingehen, weil sie mir eh nur schmerzen bereiteten. Lieber einmalige Sextreffen und keine Bindungen – war mein Motto.

Und so war der erste Tag der Einführungswoche: Während ich mit ein paar anderen Studenten (die ich selber noch nicht so gut kannte) direkt den Uni-Haupteingang „versperrte“, kam Jule durch den Haupteingang und konnte uns natürlich niemals übersehen. Da sie auch Physik studieren wollte, stellte sie sich zu den erstbesten (das waren glücklicherweise wir) und fragte uns, ob wir auch Physiker waren. Während der Einführungsveranstaltung lud ich sie dann auch in unsere WhatsApp-Gruppe ein. Laut einem Bild, was wir drei Monate später zusammen kreativ-durcheinander gezeichnet haben, war der erste Tag der Einführungswoche am 5. Oktober 2015.

OE-Woche: Leibniz Uni Hannover
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Mit der Tüte auf dem Kopf durch die OE-Woche; veranstaltet von der MaPhy-Fachschaft. (8. Oktober 2015, Leibniz Universität Hannover)

Am Anfang fand ich Jule ganz normal und hatte eher auf eine andere blonde Studentin abgesehen, die schon beim Hineingehen in den großen Hörsaal mich sofort verzauberte. Da die Eingangstür weiter weg von meinem Sitzplatz war, konnte ich ihr Gesicht kaum erkennen. Sie setzte sich weiter vorne, sodass ich nur ihr langes blondes Haar sah. Während alle vor dem Vorlesungsanfang quatschten, saß sie irgendwie allein an der Seite. Es war aber normal allein zu sitzen, denn die einzelnen Gruppen zum Kennenlernen wurden noch nicht gebildet. Sie kam mir irgendwie interessant vor. Nach der Vorlesung kamen die Studenten aus höheren Semestern, um kleine Gruppen von ungefähr 10 Studenten zu bilden, mit denen man dann eine ganze Woche lang zu tun hatte. Ich weiß nicht, wie das überhaupt möglich war, aber aus hunderten von Studenten kam ausgerechnet sie in unsere Gruppe. Während der sogenannten Rallye-Veranstaltung, wo es darum ging, Aufgaben zu lösen und damit für die eigene Gruppe Punkte zu sammeln, hatte mich dieses Mädchen geschminkt. Vielleicht hatte sie sogar auch Interesse an mir, denn was ist schon deutlicher als ein großes mit einem Lippenstift gemaltes rotes Herz auf meiner Stirn.

OE-Woche: Leibniz Uni Hannover
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Während der OE-Rallye wurde ich geschminkt. (8. Oktober 2015, Leibniz Universität Hannover)

Im Laufe des Semesters hing sie aber eher mit anderen Studenten ab und ich kommunizierte mit ihr weniger als mit Jule. Dieses normale Mädchen Jule, war diejenige, die mir am meisten Nachrichten schickte, dadurch lenkte sie meine Aufmerksamkeit auf sich. Nach einigen Komplimenten von mir bezüglich ihrer coolen grünen Mütze oder bezüglich ihres schön geflochtenen Zopfs, nach mehr verbrachter Zeit miteinander und nach dem anschließenden ersten Schritt von mir, waren wir in einer Beziehung. Ich möchte hier keine weiteren Einzelheiten beschreiben, aber einst kann ich sagen: Jedes Mal, wenn ich mich doof fühlte, war sie stets in der Lage meine schlechte Laune zu vertreiben. Das kannte ich sonst gar nicht von früheren Mädels, mit denen ich zu tun hatte. Sie ist außerdem eine sehr gute Köchin! Von ihr lernte ich mal endlich, Haushaltssachen zu erledigen. Ganz egal, was ich sie fragte, sie konnte mir immer eine Antwort geben - sei es eine Frage bezüglich des Haushalts, des Studiums oder der Umwelt.

Alexander Fufaev backt Kekse mit Jule
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Ich backe Kekse mit Jule (22. Dezember 2017)

Sie zeigte mir auf, dass unser Konsumverhalten und generell unsere Lebensweise sehr schlecht für die Zukunft der Erde ist. Solche Gedanken hatte ich mir nie zuvor gemacht, sei es über die ganzen Kohlekraftwerke, unseren Fleischkonsum oder CO2 Emission. Sie machte mich für diese Themen sehr sensibel. Mit ihrer Hilfe realisierte ich, dass ich mich zum Wohl unserer Erde ändern muss. Im Laufe unserer Beziehung gewöhnte ich es mir an, fast gar kein Fleisch mehr zu konsumieren und die Milch nicht mehr pur, sondern nur noch im Kaffee zu trinken. Keine Einwegbecher für den Kaffee mehr, stattdessen ein verschließbarer Mehrwegbecher. Die Butter wurde von der Margarine ersetzt. Statt in meinem Zimmer Heizung aufzudrehen, zog ich mir lieber einen Pullover an. Ich stand dann auch nicht mehr morgens die ganze Zeit unter der Dusche, nur, um unter dem warmen Wasser ein bisschen zu „pennen“. Jule half auch meiner Mama auf ökologischen Strom umzusteigen, worüber sie sehr erfreut war! Auch, wenn es nur kleine Änderungen unseres Verhaltens waren: Sie können entscheidend sein! Und ehrlich gesagt: Ich fühle mich jetzt viel besser, seit dem ich umweltbewusster handle. Natürlich weiß ich, dass es noch viel zu wenig ist, aber wir überlegen uns immer wieder, wo wir unser Konsumverhalten optimieren können. Wie schön es wäre, wenn jeder so eine Freundin hätte wie ich. Dann würde die Welt ein Stückchen zukunftsfähiger werden. Deshalb ist es wichtig, anderen Menschen zu sagen, dass unser Lebensstil nicht zukunftsweisend ist und warum es sich lohnt zu verzichten! Es gibt viele junge Menschen so wie ich da draußen, die nichts dagegen hätten, umweltbewusster zu leben, nur sie wissen eben nicht, was sie anders machen könnten. Wenn ihnen das niemand sagt, werden sie ihren jetzigen Lebensstil, der mehr als EINE Erde benötigt, beibehalten. Eine freundliche Aufklärung der Unwissenden wird neben unserem EIGENEN Verhalten darüber entscheiden, ob wir ein Paradies oder eine Hölle auf Erden für unsere Nachkommen hinterlassen.

Aufgetankt mit frischer Energie und durch die Unterstützung der Kommilitonen, habe ich im Februar 2016 das erste Semester erfolgreich mit allen dazugehörigen Klausuren absolviert. Auch im darauffolgenden Semester bestand ich alle erforderlichen Module. Es war sehr stressig, da jede Woche ganze vier Übungszettel abgegeben werden mussten, um die Studienleistung in dem jeweiligen Modul zu schaffen. Deshalb war ich und auch meine Mitstudenten gezwungen, bis spät in die Nacht die Zettel zu bearbeiten. Ich bin kein Typ, der alles sofort begreift; deshalb durfte ich auf gar keinen Fall nachlassen. Die beiden neu angefangenen ersten Semester ermüdeten mich so sehr, dass die Physik mir keinen Spaß mehr bereitete. Die armen Schüler, die sich auf das Physikstudium freuen… Die nächsten Semester ließ ich mich von Jule durch das Studium ziehen. Vorlesungen besuchte ich dann fast auch nie; gab nur die Übungszettel ab. Statt den Vorlesungen tüftelte ich lieber an meiner Webseite. Auch, wenn ich all die Prüfungen (manche erst beim zweiten Mal) bestanden hatte, fühlte ich mich so, als hätte ich immer noch ein großes Wissensloch. Erst am Ende des Bachelorstudiums, wo es keine Pflichtveranstaltungen mehr gab und ich alle Module mir selber aussuchen konnte, fing die Physik wieder an, Spaß zu machen. Nach einem Praktikumsversuch zum Quanten-Hall-Effekt, war ich so von dem Ergebnis des Experiments fasziniert, dass ich seit dem weiß, welchen Weg ich weiter gehen möchte. Ich hatte mir vorgenommen in die Festkörperphysik zu gehen, um den Quanten-Hall-Effekt besser zu verstehen und darüber auch eine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich denke, dass ohne Jule mein Weg viel steiniger wäre…

Anfangs hatte ich und Jule Zweifel, ob wir zusammenpassen, doch im Laufe der Zeit kam ich zum Entschluss, meine Liebe des Lebens nun endlich gefunden zu haben! Wir sind schon einige Jahre zusammen und wir lieben uns gegenseitig von Tag zu Tag immer mehr. Natürlich gab es manchmal Zoff zwischen uns; aber ganz ohne wäre es langweilig.

Fufaev mit Jule (2017) Winter
Winter 2017: Ich mit Jule!
Kreatives Bild von Alexander Fufaev und Jule
Kreative Austobung mit Jule (3. Januar 2016)
Alexander Fufaev und Jule auf Spiekeroog 2017 im Restaurant
Ich mit Jule und ihren Eltern auf Spiekeroog (5. Juni 2017)

Mit Jule an der Seite und dem gefunden weiteren Berufsweg, bin ich für mein nächstes wichtiges Lebensziel gewappnet: Eine bahnbrechende Entdeckung in der Physik.

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A Beautiful Mind

Es gab da noch etwas. Eine Sache zerbrach mir immer wieder den Kopf: Warum war es mir immer schwer, Freunde zu finden? Nach dem Umzug nach Deutschland entwickelte ich mich langsam zu einem sehr introvertierten Menschen, welcher ich in meiner Jugend überhaupt nicht war. Ich fühlte mich immer so als wär mein wahres Ich eingesperrt. Es fiel mir immer schwer die Komfortzone zu verlassen und so zu sein, wie ich gern wär, nämlich extrovertiert, selbstbewusst und von echten Freunden umgeben; von Freunden, mit denen man nicht nur über das Studium und Wetter redet. Freunde, bei denen es mir nicht peinlich wär, während eines traurigen Films zu weinen. Freunde, die sich nicht sofort unwohl fühlen, nur weil man nichts zu einander sagt. Freunde, die mich im Leben weiterbringen. Freunde, die sich gegenseitig in jeder Hinsicht unterstützen. Freunde, mit denen man gerne die Zeit verbringt. Freunde, die wie eine Familie sind!

Es fiel mir jedoch immer schwer Kontakte zu pflegen und auf diese Weise echte Freunde zu gewinnen. Insbesondere mit Männern (abgesehen von Alexey) kam ich am wenigsten zurecht. Bei weiblichen Personen (natürlich nicht mit allen) fühlte ich mich immer wohler. Bei denen hatte ich immer das Gefühl, als würden sie mich besser verstehen. Nichtdestotrotz waren alle Interaktionen immer irgendwie oberflächlich. Insbesondere die Leute im Physikstudium empfand ich immer als Bekannte, aber nicht wirklich als Freunde – auch, wenn es gute Menschen sind.

Aus diesem Grund hielt ich immer Ausschau nach Menschen, die das Zeug hätten, meine besten Freunde zu werden. Mal schauen, wer es sein wird.

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Der junge Sheldon Cooper. So ungefähr suchte ich nach Freunden. :D
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