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Alexander Fufaev

Seite 17: Depression

Alexander Fufaev: Religion
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Ich - am Kreuz.

Nach der Geschichte mit Jana, war ich komplett am Boden zerstört. Der einzige Trost war die Mutter von Jenny, mit der ich über WhatsApp noch einige Zeit Kontakt hatte. Sie munterte mich stets mit ihren Nachrichten auf. Irgendwann waren wir so locker drauf, dass wir auch über Sex schrieben. Wir waren so direkt zueinander, dass wir uns an einem Tag sogar im realen Leben trafen; gegen Abend, als ich mit der letzten Vorlesung fertig war, wartete sie auf mich am Parkplatz an der Uni. Dann hatten wir Sex im Auto. Auch weitere Monate danach hatten wir ein sexuelles Verhältnis.

15. März 2015, gegen Abend
Von meinem Zimmer aus hörte ich das klingelnde Telefon. Das Klingeln hörte auf, weil jemand an das Telefon ranging. Das war die Mutter, denn nach wenigen Minuten hörte ich ihr lautes Weinen. Es war ein komplett anderes Weinen, nicht so wie ich das normalerweise von ihr kenne. Da wusste ich sofort, es war etwas Schlimmes passiert. Meine zwei Schwestern und auch der Freund von Dascha waren in dieser Zeit da. Wir eilten alle zu Mama und Dascha fragte sie: "Was ist los?“ Mama heulte weiter, ohne zu antworten. „Was ist los? Sag doch mal, was ist passiert? Antworte doch mal!" – fragte Dascha mit einer plötzlich sehr dramatischen Stimme. „Mein Papa ist gestorben“ – war ihre Antwort. Meine Schwester fing auch an zu weinen. Unser Opa, Yura, ist an Krebs gestorben.

Yuri Hatchik: Bild aus dem Park Asow
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Opa Yura. Dieser Bildausschnitt stammt vom 1. Juli 2010, als wir im Asowschen Park waren.

Die Oma erzählte meiner Mutter am Telefon, wie es passierte: Nach einer Fahrt stieg Yura aus dem Auto und fiel einfach auf den Boden. Nach einigen verbrachten Stunden im Krankenhaus, starb er. Es war ein schreckliches Weinen den ganzen Abend zu hören. Ich war der einzige, der nicht weinte, weil ich wegen Jana so oft geweint hatte, dass ich einfach nicht mehr weinen konnte. Doch trotzdem tat es mir weh, meine Mutter leiden zu sehen. Ich ging zu ihr, um sie in den Arm zu nehmen. Ich redete mit ihr über den Tod und den Himmel, um ihr zu sagen, dass er gar nicht tot ist, sondern, dass er weiter lebt – im Himmel! Auch, wenn ich kein großer Fan von Religionen bin, war es die einzige Möglichkeit meine Mama zu beruhigen. In dem Moment verstand ich den Nutzen der Religion. In schwerer Zeit, in der sich nach einem Wunder gesehnt wird, kann ein stark emotionaler Mensch keine Rationalität vertragen. Er will es einfach nicht daran glauben, dass es endgültig vorbei ist und man den Verstorbenen nie mehr zu Gesicht bekommt. In dieser Zeit braucht er den Glauben, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, die Hoffnung auf die Existenz des Himmels, die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Erst als ich ihr das Transzendentale bewusst gemacht hatte, konnte ich meine sehr emotionale Mutter vom schrecklichen Weinen abhalten.

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Weiße Strände (aus Herr der Ringe)

In Russland ist es üblich, dass nach dem Tod all die Verwandten und Bekannte sich versammeln, um gemeinsam zu trinken, über den Verstorbenen zu reden und zu trauern. Selbst Oma Galja kam bei Lina vorbei, die mittlerweile am Stadtrand von Asow lebte. Ich konnte das kaum glauben, denn ich wusste, wie viel sie einander hassten. Der Tod von Yura hat die Feindschaft zwischen meinen Großeltern enorm reduziert; jedoch leider nicht komplett zerstört.

Schon bald führten der ungewohnte Druck in der Uni, der Verlust meiner ersten Freundin Jana, keine Freunde in der Nähe, mit denen ich etwas unternehmen konnte und danach auch der Tod meines Opas - dazu, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben in eine depressive Phase fiel. In den Vorlesungen starrte ich nur auf die Tafel, ohne den Inhalt zu sehen. Dann fielen immer die Tränen und ich wollte schnellstmöglich nach Hause fahren. Gut, dass ich immer abgeschottet von anderen in der Vorlesung saß; sonst wäre mir das peinlich gewesen. Diese tiefe Traurigkeit trat bei mir auch ständig auf dem Weg zur Mensa auf, weshalb diese Orte selbst jetzt - zwei Jahre danach - bei mir noch merkwürdige Gefühle verursachen. Dann kam auch die Nachricht vom Studentenwerk, dass ich kein BAföG mehr bekommen werde, weil ich nicht alle notwendige Studienleistungen geschafft hatte. Von nun an, gab es ständig Probleme die Studiengebühr zu bezahlen. Aber irgendwie klappte es doch immer wieder mit finanzieller Hilfe von meiner Mama und auch von Galja, Gogi und Dima. Schwierigkeiten im privaten Leben, während man auf BAföG angewiesen ist, sind tabu. Sobald man emotional instabil ist und deswegen im Studium zurückliegt, kann man diese finanzielle Unterstützung vom Staat vergessen. Man muss dann selber zusehen, wie man die Studiengebühr bezahlt. Und, wenn Du es nicht kannst, dann wirst Du einfach exmatrikuliert. Wie schön es wäre, wenn kein Student dieser Welt sich Sorgen um die Studiengebühr machen muss. Keine Gedanken, wie man den Rest des Monats über die Runden kommt. Keine Angst zu haben im Studium hinterher zu liegen. Das Studium (zumindest Physikstudium) wäre viel entspannter und das Leben an sich würde viel weniger Stress bereiten, wenn die Regelstudienzeit besser an den Studiengang angepasst wäre. Noch besser wäre es, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, um auch ohne - in schweren Zeiten - unter Druck setzenden BAföG über die Runden zu kommen.

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