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Alexander Fufaev

Seite 15: Eine Begegnung in der Mensa

Ich legte mich in mein warmes Bett und betrachtete die bläulich erscheinende Zimmerdecke. Das Bläuliche kam aus dem Fenster; es war der Mond am klaren Himmel. Es war ganz still; das einzige was ich hören konnte war mein Atem. Ohne jeglichen Grund, ohne des bewussten Willens stand ich auf und bewegte mich zum Fenster, machte es auf und schaute den Mond an. Nach einer kurzen Zeit spürte ich die von Draußen kommende Kälte und fing an zu zittern. Mein Mund war leicht offen, sodass sich der Atemhauch ausbreiten konnte. Dieser Moment kam mir sehr bekannt vor; doch der Gedanke fiel mir nicht ein. Ich starrte auf den Mond und flüsterte etwas ähnliches wie: "Gott, wenn Du existierst, ich bitte dich, lasse mich endlich lieben. Ich möchte einem Menschen begegnen; mit dem ich bis zum Ende aller Tage zusammen sein werde. Bitte... Gott.. ich warte schon so lange. Ich möchte sie endlich erleben - die Liebe." Ich atmete tief ein und aus und machte anschließend das Fenster zu. Im Zimmer wurde es kühl. Ich legte mich in mein Bett, umhüllte mich mit der Bettdecke und legte die Hände unter das Kissen. Schmunzelnd sagte ich: "Bin echt gespannt, ob es dich gibt." Dann machte ich meine Augen zu und schlief ein.

Es war ein Donnerstag. Was macht man so heutzutage als erstes vor dem Aufstehen; man greift natürlich zum Handy. Das machte ich selbstverständlich auch. Aber nicht um Facebook zu checken. Nein nein... als erstes schaute ich in mein Lieblingshoroskop, an das ich in letzter Zeit anfing zu glauben. 5 von 5 Sternen in Liebe & Partnerschaft. und dann noch eine erfreuliche Beschreibung in der stand, dass ich einem neuen Menschen begegnen werde und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Es hat mich umgehauen... Das war erstaunlich! Aber als ein echter Pessimist, glaubte ich, es sei nur ein Zufall gewesen... Aber dieser Umstand hatte trotzdem meine Stimmung unglaublich verbessert. Was für ein guter Start in den Tag. Selbst ohne eine warme Dusche, die ich jeden Morgen nehme und einer anschließenden Tasse Kaffee, war ich wach. Mein Dopaminspiegel hat die ganze Müdigkeit verdrängt.

Auf dem Weg von meinem Dorf aus in die Stadt; noch im Zug sitzend, wo ich normalerweise kurzzeitig eindöste oder gedankenlos durch das Fenster schaute, warf ich Blicke auf die einsteigenden und austeigenden Fahrgäste; als hätte ich den Homo sapiens noch nie gesehen. Es verbarg sich nämlich diese große Hoffnung, heute, endlich, meiner Liebe zu begegnen. Ich war unglaublich aufgeregt und gespannt; was mich heute erwartet. Selbst in den ersten Vorlesungen, die bis 12 Uhr dauerten, konnte ich mich nur schlecht auf den Inhalt konzentrieren. Während der Mittagspause, auf dem Weg mit Niels zur Mensa, den ich noch aus der Werner-von-Siemens Schule kannte, kamen bei mir Zweifel auf... Meine Stimmung war nicht mehr so toll wie am Morgen.

Currywurst mit Pommes gab es übrigens heute für mich. Wir setzten uns auf die zwei freien Plätze und fingen an zu essen. Zwei andere Menschen neben uns waren bereits mit dem Essen fertig und verließen den Tisch. Kurz danach kamen zwei andere und besetzten die frei gewordenen, einander gegenüberliegenden Plätze. Doch wer sich da hingesetzt hatte; konnte ich erst später wahrnehmen, als ich den Blick vom Teller auf das eine Mädchen warf. Die andere konnte ich eh nicht sehen, weil Niels vor ihr saß. Aber das war mir egal; ehrlich gesagt wurde mir alles gleichgültig als ich dieses Mädchen auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches sah.

Sie sah nicht glücklich aus. Ihr Kopf hing über dem Teller - anscheinend hatte sie keinen großen Appetit. Manchmal hob sie leicht ihren Kopf, um nach links und rechts zu schauen - als würde sie etwas vergeblich erwarten - und senkte ihren Kopf wieder nach unten. Sie führte kein nicht enden wollendes Gespräch mit ihrer Freundin; sie tauschten höchstens nur ein paar Worte aus. Alles was aus ihrem Munde kam, war sanft und ohne Hektik - und mit einer leichten Traurigkeit. Kurz holte sie ihr Handy aus der hellbraunen Tasche; schaute mit einem leeren Blick kurz drauf und legte es wieder ab. All ihre Bewegungen; all ihre Art war mit niemandem, wirklich niemandem in der Umgebung vergleichbar. Ein Anderer würde wahrscheinlich das Besondere an ihrer Gewöhnlichkeit nicht erkennen; doch mich hat ihr einzigartiges Wesen fasziniert. All das Gelaber und klapperndes Besteck an den Tischen um mich herum hörte ich überhaupt nicht mehr... mit kurzen, unaufdringlichen Blicken ertastete ich sie mit meiner Intuition.

Nach dem ich ein abgeschnittenes Stück Wurst in meinen Mund legte und zu kauen begann, legte ich dann langsam das Besteck ab und packte meine Hände auf die Beine, um mich in ihre Lage zu versetzen und mit ihr zu fühlen. Ich spürte wie unsere Seelen sich vorsichtig berührten und einander zulächelten. Es war ein neues, seltsames Gefühl; aber ein schönes Gefühl; zu spüren, wie geborgen meine Seele in diesem Moment war.

Als mein Essen auf dem Teller sich leerte, bekam ich Angst. Angst sie gehen zu lassen ohne ihr unsere Seelenverwandtschaft mitzuteilen, die ich die ganze Zeit genossen hatte. Deshalb sagte ich Niels, der bereits mit dem Essen fertig war, dass ich gern noch sitzen bleiben würde, um das Gegessene in Ruhe zu verdauen - und um etwas zu wagen... Die Mädels waren mit dem Essen fertig und saßen ebenfalls noch eine Weile am Tisch. Als es soweit war und die beiden aufstanden um die Mensa zu verlassen, gab ich dem Niels einen Signal, dass wir nun gehen können. Nach der Abgabe des schmutzigen Geschirrs trennten sich unsere Wege an zwei verschiedenen Ausgängen. Doch ich machte die Tür meines Ausgangs noch nicht auf; ich konnte es einfach nicht, weil die Zeit für einen Moment stehen geblieben war. Es kamen viele Fragen auf... wie kann ich sie einfach so gehen lassen? Wir sind doch füreinander bestimmt! Gott hat mir meinen langersehnten Wunsch erfüllt; aber warum lässt er uns unterschiedliche Wege gehen? Muss ich in mein Schicksal selbst eingreifen oder ist der freie Wille bloß eine Illusion? In einer kurzen Zeit - so viele Fragen. Wie weit ist sie schon von mir weg? Finde ich sie noch?

Ich wusste, dass ich vor einer Entscheidung stand; einer Entscheidung, die mein Leben verändern könnte. Nein! Ich werde durch diese Tür nicht gehen. Ich drehte mich schnell um und rannte in eine andere Richtung, zu ihr. Glücklicherweise war sie noch nicht so weit entfernt, sodass ich sie in der Menschenmenge auffinden konnte. "Warte mal!", rief ich ihr zu, während ich sie von hinten einholte. "Oh mein Gott!", entgegnete sie mir erfreulich, verschließend mit den Händen ihren Mund.

Ich war sehr aufgeregt; interessanterweise war das eine andere Art der Aufregung. Eine Aufregung, die nichts damit zu tun hatte, dass ich ein fremdes Mädchen ansprach, um ihr zu sagen, ob wir uns mal kennenlernen könnten. Nein, nein, die Aufregung bestand, weil ich fester Überzeugung war, dass vor mir eine Frau steht, mit der ich mein Leben verbringen werde. "Alexander ist mein Name!" - sagte ich und reichte ihr meine Hand. "Jenny", entgegnete sie mir mit dem süßesten Lächeln dieses Universums und gab mir ihre Hand, die ich für ein paar Sekunden hielt und mit meinem Daumen sanft streichelte. Ihre Augen funkelten wie helle Sternchen am sommerlichen Nachthimmel. Wir verließen gemeinsam durch den Hauptausgang die Mensa; erzählend über unser Leben. Dabei stellte sie mir so viele Fragen und alles was ich ihr antwortete schien mir bei ihr freudiges Interesse auszulösen. Als wir an ihrer Fakultät für Bauingenieurwesen ankamen, tauschten wir Handynummern aus und verabschiedeten uns. Hinter Jennifer saßen zwei Typen, die mich angrinsten und der eine mir seinen Daumen nach oben zeigte. Meine Aktion hat ihm anscheinend sehr gefallen. Soviel Dopamin auf einmal konnte ich nicht verkraften, aber ich versuchte mich weiterhin normal zu verhalten. Ich war beinahe aus der Fassung bei dem Gedanken so ein wunderbares Mädchen kennengelernt zu haben und zwar nach der Vorhersage des Horoskops und nach meiner Bitte an Gott. Einst wurde mir in diesem Moment klar es war kein Zufall. Gott ist existent...

In den darauffolgenden Vorlesungen war ich hochkonzentriert wie noch nie! Schließlich war ich fester Überzeugung eines meiner Lebensziele erreicht zu haben, sodass ich mich komplett auf das Physikstudium konzentrieren konnte, um auch eines Tages bei meinem zweiten Lebensziel anzukommen. Die Leistungs- und Motivationszunahme machten mich noch glücklicher als ich schon war. Am Ende des Tages, auf dem Weg nach Hause, im Zug sitzend, schrieb ich, so wie das in der modernen Zeit üblich ist, meine erste WhatsApp-Nachricht an sie. Ihre Freude, die sie durch unzählige Smileys zum Ausdruck brachte, war nicht zu übersehen. Als ich zu Hause ankam, teilte sie mir etwas mit, was mein Glücksgefühl wahrscheinlich verdoppelt hatte. Sie hatte ihrer Mama von mir erzählt, die ich später selber kennenlernen durfte. So eine Mutter würde sich jeder wünschen, denn sie stand Jennifer in der schweren Zeit immer zur Seite und war sogar mit mir auf einer gleichen Wellenlänge. Eine bessere Schwiegermutter hätte man sich nicht wünschen können... Ich gefiel anscheinend den beiden sehr. Es ging alles für mich so schnell, da bekam ich in der kürzesten Zeit, das Gefühl als wären wir bereits in einer Beziehung - für einander bestimmt; obwohl wir beide noch nie in einer Beziehung waren... Ich war nicht hormonell verliebt in sie. Sie wahrscheinlich auch nicht... Es machte mir leicht eine Angst; aber es war eine schöne Angst...

An einem Montag trafen wir uns am Hauptbahnhof und machten uns gemeinsam auf den Weg zur Leibniz Universität. Wir redeten über unterschiedlichste Dinge und keiner von uns schaute wenigstens ein einziges Mal auf das Handy. Das hatte ich davor ehrlich gesagt noch nicht erlebt; das wiederum zeugte von einer Menge Respekt und Interesse. In der S-Bahn, kurz vor dem Aussteigen, berührte ich leicht ihre Hand, mit der sie sich an einem der Sitze festhielt und verließ die S-Bahn, lassend sie weiter fahren. Nach der 2 stündigen Vorlesung war ich auf dem Weg zur Bibliothek, um eine Hausübung zu bearbeiten, die ich bis 12 Uhr abgeben musste. Aber - wohl durch Zufall - sah ich Jennifer mir entgegenkommen. Sofort war die Hausübung vergessen... ich schlug ihr vor einen gemeinsamen Spaziergang durch den Park zu machen. Sie war einverstanden, regte sich aber leicht auf, weil ich dadurch meine Hausübung nicht abgeben würde. Es ist alles in Ordnung - entgegnete ich ihr und wir machten uns auf dem Weg zum Park. Es war ein wundervoller, warmer und sonniger Tag im Oktober. Sie war ein Mensch, mit dem man über Dinge reden konnte, die nicht alltäglich waren. Wir redeten nicht über das Wetter oder wer, was am Wochenende macht, nein, wir philosophierten über Gott und die Welt; über die Liebe und über den Tod. Sie hat mich unglaublich fasziniert... sie war so tiefgründig und so interessiert. Ein Mensch von dem ich so viel lernen konnte. Ihre Worte waren weise und ihre Stimme klang wie eine wunderschöne Melodie in meinen Ohren... Nach einer Weile setzten wir uns auf eine Bank und diskutierten weiter. In kurzen Momenten schwiegen wir einfach und genossen die uns umgebende Vegetation und die Sonne, die ihre warmen, einlullenden Strahlen durch die Blätter der Bäume auf uns warf. Ich fragte sie, ob sie mir ihre Hand geben könne. Ohne zu zögern, legte sie ihre Hand in meine, die ich anschließend mit meiner zweiten Hand fest umfasste und meinen Blick in Richtung der Sonne richtete. Meine eiskalten Hände spürten nach einer langen Zeit wieder Wärme. Am liebsten hätte ich diesen Moment für immer eingefroren. Doch die gemeinsamen Stunden vergingen wie im Flug - und sie musste gehen.

Mit meiner aufdringlichen Art, nach meinem Verlangen in einer Beziehung mit ihr zu sein, vertrieb ich sie für immer. Sie wollte nichts mehr von mir hören und blockierte auch meine Handynummer. Nur ihre Mutter konnte mich verstehen…

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Kurze Geschichte über die Bekanntschaft mit Jenny in Videoform.

Es war eine Phase, wo ich unbedingt meine Liebe des Lebens finden wollte. Ich verspürte so einen starken Drang dieses Ziel zu erfüllen, dass ich alle die andere Dinge um mich herum vergas. Selbst die Physik, die ich im Studium begreifen wollte, wurde zu einer Unwichtigkeit. Die Übungszettel, die ich jede Woche erledigen musste oder das Nachholen des Vorlesungsstoffs waren nicht in meinem Tagesplan enthalten. Stattdessen hing ich in meinem Zimmer einen bunten Zettel an die Wand über meinem Tisch, auf dem drauf stand „Ziel: meinen Seelenverwandten finden". Ich war so davon besessen, dass ich mir abergläubisch das Tagehoroskop von Erika Berger anschaute, um zu erfahren, ob ich meiner Liebe heute auf dem Weg zur Uni begegnen werde.[*] Jede potentielle Seelenverwandte wurde von mir unterwegs angesprochen und gefragt, ob wir uns kennenlernen könnten. Auf diese Weise ergatterte ich zwar einige Handynummern, doch meistens vergas ich den neuen Kontakt nach einigen Wochen, weil ich feststellte, dass die neue Bekanntschaft kein besonderes Interesse an mir aufwies. Das war demotivierend immer allein aktiv zu sein; sie anzuschreiben oder sie auf einen Spaziergang einzuladen. Ich dachte stets, dass, wenn sie meine Auserwählte wäre, dann müsste ich nicht alleine die Kraft in den Aufbau der Beziehung stecken.

Einmal setzte ich mich nach dem ermüdenden Tag in der Uni auf eine Bank in der Stadt und starrte durch die Füße der vorbeilaufenden Passanten in die Unendlichkeit. Ich fragte mich verzweifelt, was ich falsch mache. Nach einiger Zeit realisierte ich, dass es überhaupt keinen Sinn hatte, länger darüber nachzudenken. Also stand ich auf und ging mit einem ermüdeten, niemanden beachtenden Blick zum Zug nach Hause.

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