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Alexander Fufaev

Seite 11: Die Scheidung

Im Oktober 2006 kam der dritte Teil meines Lieblingsspiels Gothic heraus. Satte 64.99 Euro kostete es mich! Nach der Installation war ich enttäuscht, weil mein Rechner dafür viel zu schwach war. Erst als ich später die neue Grafikkarte besorgte, konnte ich in den Genuss der epischen Gothic-Atmosphäre kommen. Wie man Computerteile austauscht, wusste ich bereits, denn ich war manchmal auf dem Dachboden, wo sehr alte, kaputte Computer von Joachim standen, deren Inneres ich untersuchte. Als ich die neue Grafikkarte in meinen Rechner eingebaut hatte, konnte das neue Gothic gestartet werden. Allein schon die atemberaubenden Soundtracks während des Ladevorgangs, verpassten mir Gänsehaut und erinnerten mich an die alten Gothic 1 Zeiten.

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Soundtrack aus Gothic 3. *nostalgisch sei*

In den Sommerferien 2007 gab es erstmal eine Spielpause, denn Mama, Laura, Dascha und ich reisten für ein paar Wochen mit dem Zug nach Russland, um unsere Verwandten wiederzusehen. Von Hannover aus, wo uns Joachim verabschiedete, startete unsere Fahrt über Polen und Ukraine nach Moskau.

Alexander Fufaev: Zugfahrt nach Russland 2007
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Ich im Zug nach Russland beim Buchlesen (2007).

In Moskau erwartete uns Opa Yuri, mit dem wir dann zusammen mit einem anderen Zug den übrig gebliebenen Weg nach Rostow zurücklegten. Von Rostow holte uns Onkel Sascha mit einem neuen dunkelroten Auto ab. Es war aufregend mit dem Onkel nach Hause zu fahren, weil er immer während der Fahrt ein Rennen anstiftete. Das ging ganz einfach: Wir überholten irgendein anderes Auto, dann wurden wir etwas langsamer, bis das überholte Auto uns auch überholte. Dann überholten wir es nochmal; möglichst mit dem Augenkontakt zum anderen Fahrer. Dies reichte schon aus, um sein Ego zu kränken und ihn dazu zu bewegen, uns wieder überholen zu wollen; diesmal jedoch unabhängig davon, wie schnell wir fuhren. Dann ging das Rennen – ohne überhaupt angeschnallt zu sein - los.

Alexander Fufaev mit Onkel im Auto: Besuch in Russland 2007
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Ich mit Onkel Sascha in seinem neuen Auto. (Kharkovskiy, 2007).

In Kharkovskiy angekommen, war das rote Auto von Opa Yura nicht mehr da. Stattdessen stand neben dem dunkelroten Opel Vectra von Onkel Sascha ein neues Auto von Opa – ebenfalls Opel Vectra, aber in dunkelblau. Die Großeltern hatten anscheinend eine erfolgreiche Ernte, während wir in Deutschland waren. Cousine Ksjuscha, Tante Olja, Onkel Sascha und deren kleiner Sohn Yura, sowie Oma Lina empfingen uns mit Umarmungen und einem reichlich gedeckten Tisch.

Alexander Fufaev: Besuch in Russland 2007
Ich, Mama und meine Schwestern mit den Verwandten am Tisch (Kharkovskiy, 2007).
Reise nach Russland 2007 - gefundene Videos
Laura : Spielen mit Enten 2007
Meine Schwester Laura "spielt" mit Enten und anderem Getier (Kharkovskiy, 2007).

Nach der Zeit im Dorf bei den Großeltern wurde ich und Dascha nach Asow zu Galja und Gogi gebracht. In Asow klingelte ich an der Tür von meinen Freunden. Viele von ihnen wohnten nicht mehr da und ich wusste auch nicht, wohin sie verschwunden waren. Nur mein Freund Sanja wohnte noch da, der sich riesig freute mich wiederzusehen. Nach einem mit ihm verbrachten Tag, wurde es dunkel und ich musste nach Hause. Normalerweise würde ich nicht so spät alleine laufen; wovon mich Galja auch abhalten würde, wenn ich zu Hause wär – doch ich verspürte den Drang, unbedingt mal wieder die schöne abendliche Atmosphäre der Stadt zu erleben. Ich streifte also noch ein bisschen weiter durch Asow; setzte mich auf eine Bank, an einem Ort, der meine ganzen Erinnerungen von meiner schönen Zeit in Russland wiederbelebte. Die Straßen, durch die ich einst mit meinen Freunden ging, durch eine Allee zu meiner Schule, zum Park und dann direkt zum Don, wo in der Nähe ein riesiger Laden war, in dem Jugendliche Counter-Strike spielten. Dort lauerten auch böse Jungs, die kleinere Kinder aufhielten, um deren Geld abzuknöpfen. In diesem nostalgischen Moment kam ich auf den Gedanken in Russland zu bleiben. Es tat mir weh, vorzustellen, wie ich alle vermissen werde, sobald wir nach Deutschland zurückreisen. Ich war nun fest überzeugt meiner Mutter zu sagen, dass ich nicht mit nach Deutschland kommen werde.

Nach dem Besuch der Großeltern in Asow, holte uns Dima nach Rostow zu sich. Er wohnte in einer Zweizimmerwohnung mit seiner Freundin Lena, die er vor einiger Zeit auf seiner Arbeit kennenlernte. Es war ungewöhnlich zu sehen, dass mein Vater sein allererstes Auto hatte. Sein Chevrolet sah strahlend in der Sonne aus und hob sich von den ganzen dunkelfarbenen Autos ganz stark ab. Wahrscheinlich ab dem Moment, wurde gelb zu meiner Lieblingsfarbe. Mein Vater ist 1.90 groß; wenn er auf dem Fahrersitz saß, kam es mir vor, als wäre er viel zu groß für das Auto. Trotzdem war sein Fahrstil sehr selbstbewusst, so selbstbewusst, dass man sich denkt, er fährt schon sein ganzes Leben lang.

Mit seinem gelben Chevrolet brachte er uns - nach der Zeit bei ihm - nach Kharkovskiy zurück. Als wir uns verabschiedet hatten, bekam ich einen dicken Kloß im Hals. Und je weiter die Sonne unterging, desto mehr staute sich in mir die Sehnsucht nach meinem Vater auf. Erst am Abend, als mein Onkel nach Hause gegangen war, traute ich mich meine Gefühle loszuwerden. Ich erzählte meiner Mutter, dass ich gerne in Russland bleiben würde. Als Oma Lina und Opa Yura das gehört hatten, überredeten sie mich, nicht in Russland zu bleiben. Sie sagten mir, dass ich hier keine berufliche Perspektive hätte. Und so flog ich wieder in das Land zurück, in dem ich nur ungern leben wollte…

Nachdem wir nach Deutschland zurückgekehrt waren, hatte ich noch Ferien. Im Vergleich zum aufregenden Urlaub in Russland, war es langweilig für mich in Deutschland. Deshalb tat ich das, was ich in diesem Land gerne tat: Ich flüchtete zusammen mit meinen Freunden Max, Maxim und Alexey in ein Weltraumspiel namens "DarkOrbit". Ich bin von diesem Spiel so besessen geworden, dass ich mein Raumschiff per Telefonanruf verbesserte und gar nicht realisierte, dass diese Upgrades sehr viel echtes Geld kosteten. Dann kam natürlich eine Telefonrechnung von ca. 500 Euro ins Haus... Joachim war überhaupt nicht erfreut darüber, aber reagierte relativ gelassen darauf. Danach hatte ich aber ein richtig schlechtes Gewissen, weshalb ich das Spiel nie mehr anrührte. Stattdessen gewann World of Warcraft meine Aufmerksamkeit, dessen Gebühren ich von meinem Taschengeld bezahlte.

Als die Ferien vorbei waren, besuchte ich eine - zu meinem Wohnort näher gelegenen - Schule; nämlich Molitoris-Schule in Harsum. Dort lernte ich Robert kennen, mit dem ich in der Schule viel Blödsinn baute. Oft wurden wir aus dem Unterricht rausgeschmissen, weil wir nicht aufhören konnten zu lachen. In der "Kilitoris-Schule" - wie sie von den Schülern genannt wurde - schloss ich die 8. und 9. Klassen ab und erwarb damit den Hauptschulabschluss.

Klassenfoto 2008 Molitoris-Schule: Alexander Fufaev, Bjorn Klessen, Dirk Wiezer, Kimberly Sinclair (Zusek), Kristina
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Klassenfoto in der Molitoris-Schule (Oktober 2008, Harsum)

Im Frühling und auch im Sommer 2009 besuchten wir nun wieder Russland. Als ich mit Dascha bei Dima in Rostow war, lernten wir die Eltern von Lena kennen. Ihr Vater war ein Chirurg in der Rostowschen Klinik und hatte ein teures Auto, mit dem wir durch Rostow zu verschiedenen Restaurants, Cafés, zum Bowlen oder zu seiner Datsche fuhren. In Rostow kaufte mir Dima einen Anzug, Lederschuhe, Hemden, Parfüm und schenkte mir ein paar seiner Krawatten, um mal einen neuen Kleidungsstil auszuprobieren. Am Ende der letzten Woche in Russland erfuhr ich indirekt bei einem gewöhnlichen Gespräch zwischen mir, Dascha, Dima, Lena und ihrer Mutter, dass Lena ein Kind erwartet. In dem Moment wurde ich leicht traurig, warum, weiß ich selbst nicht. Mein Vater hatte dies anscheinend bemerkt und legte seine Hand um meine Schulter herum. Das war das vorletzte Mal, als ich so nah bei Dima war. Denn unsere letzte Reise nach Russland war ein Jahr später; eine weitere - sogar 8 Jahre danach - war nicht in Sicht. Vor der Abreise gab er mir sein Lieblingsbuch mit, welches ihm schon in Usbekistan einen großen Dienst erwiesen hatte. Das rote Buch von Dale Carnegie, dessen Cover mit durchsichtigem Klebeband überklebt war und seine Seiten bereits vergilbt waren, trug den Titel: „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“.

Alexander Fufaev, Dmitri Fufaev, Daria Fufaeva: nach dem Shoppen
Ich, Dascha und Dima nach dem Shoppen (4. April 2008, Rostow)
Alexander Fufaev, Dmitri Fufaev, Daria Fufaeva: Street Foto
Ich, Dascha und Dima in der russischen Hauptstadt des Südens. (6. April 2009, Rostow-am-Don)
Alexander Fufaev: Russland 2008, Cafe, Dima und Dascha
Ich mit Dascha und Dima nach dem Pizzaessen. (2008, Rostow)

Als wir wieder in Deutschland waren, hatte ich mich an das Land zwar schon längst gewöhnt, doch die Beziehung zwischen Joachim und Oxana wurde immer schlechter. Es gab ständig Zoff hauptsächlich wegen der Eifersucht meiner Mama. Und so ließen sie sich scheiden. Zum Glück blieb das Verhältnis zwischen Joachim und uns (auch Mama) gut! Ich, Dascha, Laura und Mama zogen dann in eine andere Straße um; in ein Mehrfamilienhaus, wo wir zwei Jahre wohnten.

Alexander Fufaev im Zimmer: Hauptstraße 18, Lühnde
Ich in meinem neuen Zimmer. (19. Dezember 2008, Lühnde)
Alexander Fufaev hebt Laura an
Mit Lauri herumalbern (20. Dezember 2008, Lühnde)
Alexander Fufaev und Laura mit Geschenk
Laura packt ihr Geschenk aus - ich im Hintergrund (25. Dezember 2008, Lühnde)
Alexander Fufaev im Zimmer: Geschenke auspacken
Hier analysiere ich mein Weihnachtsgeschenk "Handy" (25. Dezember 2008, Lühnde)
Silvester 2008: am Tisch
Silvester: Joachim, Laura, ich, Dascha und Oxana als Kamerafrau (31. Dezember 2008, Lühnde)
Weihnachten 2009: Alexander Fufaev
Ich - am Weihnachten (25. Dezember 2009, Lühnde)
Weihnachten 2009: Alexander Fufaev, Daria Fufaeva, Laura
Weihnachten - ich mit meinen Geschwistern Dascha und Laura (25. Dezember 2009, Lühnde)

Während wir da gewohnt hatten, fing ich mit dem Führerscheinmachen in einem 3 km entfernten Nachbardorf an. Da ich kein Fahrrad hatte, musste ich abends zu den Theoriestunden hin und zurück zu Fuß gehen, was ich aber gerne tat, denn während des Gehens ließ ich meinen Gedanken freien Lauf. Ich war dabei in meiner Fantasie so vertieft, dass ich beinahe von einem Auto überfahren wurde. Ich stellte mir beispielsweise vor, als hätte ich Superkräfte und würde Menschen vor bösen Göttern oder Kreaturen schützen oder als wär ich weltberühmt und könnte mit nur einem Wort einen großen Einfluss ausüben. Nach der Theorie konnte ich noch ein paar Praxisfahrten belegen; doch irgendwann ging es finanziell bei meiner Mutter nicht mehr und seitdem hatte ich keine Fahrschule mehr besucht und konnte sie nicht mehr abschließen. Jetzt habe ich keinen Drang mehr den Führerschein zu machen, denn ich wünsche mir, dass ich den in naher Zukunft nicht mehr brauchen werde. Ob es Neid ist oder nicht, kann ich nicht sagen; aber es wäre so schön, wenn niemand ein privates Auto besitzen würde. Natürlich sollte diese Mobilitätseinschränkung durch deutlich mehr öffentliche Verkehrsmittel kompensiert werden; wie beispielsweise hier in meinem Dorf, wo der Bus nur jede Stunde fährt und ab einer gewissen Uhrzeit gar nicht mehr. Ohne den ganzen Autos gäbe es keine Staus mehr, keine genervten Fahrer und keine vergeudete Zeit beim Autofahren. Keine Suche nach einem Parkplatz, weniger Verkehrsunfälle, weniger Lärmbelästigung, weniger Abgase. Und vor allem keine zugeparkten Städte mehr! Viele dieser Sorgen bleiben mir als Nicht-Fahrer erspart. Deshalb will ich keinen Führerschein. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle viel menschlicher wären, wenn wir unsere Führerscheine wegwerfen und lieber in einem Zug ein schönes Buch lesen, während dieser uns zum Ziel bringt.

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